{"id":1784,"date":"2015-03-05T11:50:31","date_gmt":"2015-03-05T10:50:31","guid":{"rendered":"http:\/\/karifa.de\/?p=1784"},"modified":"2015-03-05T12:14:33","modified_gmt":"2015-03-05T11:14:33","slug":"rainbow-beach-bis-heron-island-2178-km","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/karifa.de\/?p=1784","title":{"rendered":"Rainbow Beach bis Heron Island \u2013 2178 km"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fraser Island.<\/strong> Die gr\u00f6\u00dfte Sandinsel der Welt, steht seit Beendigung der kommerziellen Nutzung durch Holzabbau und Mining im Jahr 1992 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der Unseco. Lange haben wir recherchiert, hin und her \u00fcberlegt, Leute befragt und uns den Kopf zerbrochen, wie wir es anstellen k\u00f6nnten, die Inselbesichtigung in unsere Tour zu integrieren.<!--more--> Die Idee war, die Insel mitsamt den R\u00e4dern vom s\u00fcdlichsten Punkt aus per F\u00e4hre zu erreichen, unsere Tour die Insel durchquerend fortzusetzen, um dann ebenfalls per F\u00e4hre auf der anderen Seite der Insel wieder auf\u00b4s Festland zu gelangen. Doch wie gesagt, Fraser Island ist eine sandige Angelegenheit und die Aussagen, die auf unsere vielf\u00e4ltigen Fragen folgten, lassen uns von unserem Vorhaben Abstand nehmen. Stattdessen buchen wir eine Tagestour und sind bereits beim Erreichen der kleinen F\u00e4hre sehr froh \u00fcber diese Entscheidung. Schon das Entern der F\u00e4hre w\u00e4re eine tiefsandige und salzwasserreiche Herausforderung f\u00fcr uns und die R\u00e4der geworden, die die R\u00e4der sicherlich nicht sonderlich zu sch\u00e4tzen gewusst h\u00e4tten. Stattdessen k\u00f6nnen wir uns nun einfach bequem im Tourbus zur\u00fccklehnen und uns chauffieren lassen. Auch mal eine nette Abwechslung. Die Tour geht \u00fcber Wellblechpisten, Strandabschnitte und Tiefsandpassagen ins Landesinnere, zu einem der zahlreichen S\u00fc\u00dfwasserseen, durch verschiedene Regenwaldzonen hin zu einem beeindruckenden Regenwaldrundweg. Mittagessen inklusive. Das Timing unseres Fahrers ist hervorragend. Es regnet immer wieder kr\u00e4ftig, doch sobald wir eine der Inselattraktionen erreichen \u2013 unter anderem auch einen der vielen S\u00fc\u00dfwasserb\u00e4che, die sich vom Inselinneren bis hin zum Strand schl\u00e4ngeln um ins Meer zu m\u00fcnden, schenkt uns der Wettergott immer wieder eine Regenpause. Auf dem Weg zur\u00fcck zur F\u00e4hre \u2013 80 km den Strand entlang, der auf Fraser Island bei Ebbe als Highway und Flugzeugpiste zugleich dient \u2013 gibt es keine Gnade mehr. Es sch\u00fcttet und windet und wir sind einmal mehr froh \u00fcber die Entscheidung, unsere Tour nicht per Rad \u00fcber die Insel fortgesetzt zu haben. Das Einzige was wir etwas bedauern ist, dass wir trotz der auf Fraser Island beheimateten gro\u00dfen Population an Dingos, keinen einzigen der hier lebenden australischen Wildhunde zu sehen bekommen. Dabei h\u00e4tten wir so gerne noch einmal die \u00c4hnlichkeit zu unserem Diego \u00fcberpr\u00fcft\u2026<\/p>\n<p><strong>Warten auf den Zyklon.<\/strong> Auf dem R\u00fcckweg zum Festland erfahren wir von unserm Tourguide, dass auch unser Timing ganz gut war: Wegen \u201eSchlechtwetter\u201c sind s\u00e4mtliche Inseltouren der folgenden Tage gestrichen. Schlechtwetter bedeutet in diesem Fall, dass ein Zyklon im Anmarsch ist. Wir hatten von den f\u00fcr diese Jahreszeit und diese Region Australiens nicht un\u00fcblichen Wetterverh\u00e4ltnissen schon mehrfach geh\u00f6rt. Zumeist, wenn wir auf die h\u00e4ufige Frage nach dem \u201ewoher und wohin\u201c erkl\u00e4rt haben, dass wir in Sydney gestartet sind und Richtung Norden fahren. Nun ist es also so weit. Ein Zyklon. Was genau das bedeutet ist uns noch nicht so klar und so fragen wir nach: Am Campsite, an der Tankstelle, am Supermarkt. Wir erhalten \u00fcberall die einhellige Auskunft, dass es besser sei, wir w\u00fcrden den Zyklon hier in Rainbow Beach abwarten. So halten wir es auch. Ein ganzer Tag und eine ganze Nacht starker Regen, gepaart mit einigen heftigen Windb\u00f6en. Unser Zelt h\u00e4lt tapfer durch. Am Morgen ist es dann trocken und wir denken: Gl\u00fcck gehabt, so schlimm war\u00b4s doch gar nicht. Doch die Zeitungen und die Camprezeption melden, dass der Zyklon noch nicht vorbei ist und von Stufe 3 auf Stufe 5, was der h\u00f6chsten Stufe entspricht, hochgesetzt wurde und deutlich langsamer zieht, als prognostiziert worden war. Es hei\u00dft also weiterhin Abwarten. Zwar erscheint hier alles friedlich, doch h\u00e4ngt eine nicht unbedingt Gutes verhei\u00dfende Stimmung in der Luft. Als wir mitbekommen, dass benachbarte Camper von ihrem Wohnmobil vorsichtshalber in einen Bungalow umsiedeln, sind wir etwas irritiert. Wie schlimm wird es denn nun? Der Tag vergeht in schw\u00fcler Hitze, kein W\u00f6lkchen am Himmel und allein vom Dasitzen rinnt schon der Schwei\u00df. Nachts dann nochmal Regen und einige wirklich heftige Windb\u00f6en. Der Wind h\u00e4lt auch am Morgen an, doch wir erfahren, dass der Zyklon vorbeigezogen ist und insbesondere n\u00f6rdlich von uns einiges an Verw\u00fcstungen hinterlassen hat. Es war also wirklich sinnig, hier auszuharren und abzuwarten. Wir packen zusammen und machen uns gegen Mittag, als sich der Wind etwas legt, auf den Weg. Es geht \u00fcber Maryborough und Childers, zwei St\u00e4dten mit h\u00fcbschen H\u00e4usern aus der Gr\u00fcnderzeit Australiens weiter in Richtung Bundaberg. Und nach zweieinhalb Fahrtagen schl\u00e4gt uns Zyklon Marcia dann doch noch ein Schn\u00e4ppchen: Unser Weg abseits der Hauptstra\u00dfe f\u00fchrt \u2013 was wir nicht weiter beachtet haben \u2013 durch einen Wasserlauf, einen sogenannten Creek. Normalerweise kein Problem, da die Stra\u00dfe trocken passierbar ist. Doch nach den starken Regeng\u00fcssen der letzten Tage steht da pl\u00f6tzlich diese Schild auf der Stra\u00dfe: \u201eRoad closed \u2013 due to flooding\u201c. Was nun? Wir fragen uns durch und erhalten verschiedene Meinungen: \u201eJa, die Stra\u00dfe ist wirklich zu, da kommt ihr nicht durch.\u201c \u201eAch, ich glaube nicht, dass da noch Wasser ist. Versucht es einfach. Sind nur 6 km bis dort, sonst dreht ihr eben um.\u201c \u201eNein. Geht nicht, ihr k\u00f6nnt so und so und so fahren. Ist kaum ein Umweg.\u201c \u201eNein, nehmt lieber diese Stra\u00dfe, da kommt Ihr auf den Highway.\u201c Da wollen wir aber nicht unbedingt hin, deshalb haben wir ja die Nebenstra\u00dfe genommen. Also probieren wir\u00b4s. Und kommen nicht durch. Die Skala am Stra\u00dfenrand zeigt einen Wasserstand von 1,2 m an. Also fahren wir die 6 km wieder zur\u00fcck &#8211; gegen den Wind und bergauf nat\u00fcrlich, wie k\u00f6nnte es anders sein &#8211; und schlagen den empfohlenen Alternativweg ein. Die Stimmung sinkt. Es ist warm, wir haben bereits zwei anstrengende und lange Fahrtage durch h\u00fcgelige Landschaft hinter uns und wollten heute eigentlich nur noch die \u00fcberschaubaren 57 km bis Bundaberg zur\u00fccklegen. Dank dem nun folgenden Umweg, der ja eigentlich keiner sein sollte, haben wir abends doch wieder 86 km auf dem Tacho. Einzig lohnenswert ist die Begegnung mit einem Farmer, der uns am Feldrand erkl\u00e4rt, dass die merkw\u00fcrdigen Pflanzen die wir so gar nicht einzuordnen wissen, Erdn\u00fcsse produzieren. Und Sojapflanzen bekommen wir auch noch gezeigt. Wir lernen, dass sich diese beiden Saaten aufgrund ihres reichen Nitratgehaltes besonders gut eignen, um die Zuckerrohrfelder im entsprechenden Anbaurhythmus wieder zu revitalisieren. Und Zuckerrohrfelder hat es hier bis zum Abwinken.<\/p>\n<p><strong>Bundaberg und die Turtels.<\/strong> Bundaberg ist eine angenehme Stadt und mit ihren etwa 50.000 Einwohnern \u00fcberschaubar und doch lebendig. Von hier aus sind es etwa 10 km bis zum Strand, der zu dieser Jahreszeit ein besonderes Naturschauspiel bereit h\u00e4lt. Wir buchen eine von Rangern angeleitete F\u00fchrung am Mon Repos Beach, einem Strandabschnitt, an dem Schildkr\u00f6ten ihre Eier legen und nach etwa 8 Wochen entsprechend die Jungtiere schl\u00fcpfen. Wir haben Gl\u00fcck, denn zuweilen sind die Touren auf Tage hinweg ausgebucht und man bekommt keine Tickets mehr. Doch heute Abend ist es verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ruhig und beginnend mit Sonnenuntergang warten nur zwei statt der \u00fcblichen f\u00fcnf Besuchergruppen mit Spannung auf die Geschehnisse am Strand. Warten hei\u00dft, man kann im informativen Besucherzentrum in die faszinierende Welt der Schildkr\u00f6ten eintauchen, sich Filme ansehen und darauf hoffen, dass sich w\u00e4hrenddessen am Strand etwas tut. Dann wird eine der wartenden Besuchergruppen zusammengerufen und unter der Aufsicht eines Rangers an den Strand geleitet. Wir m\u00fcssen nicht lange warten. Die Schildkr\u00f6ten eines Nestes beginnen zu schl\u00fcpfen und wir sind ger\u00fchrt und fasziniert, wie sich diese winzigen Lebewesen mit einer Gr\u00f6\u00dfe von etwa 5 cm aus der Erde empor schaffen und \u00fcber den Strand robben. Und es sind viele. Bis zu 120 Eier werden von den Muttertieren pro Nest gelegt und das 3 bis 4 mal pro Saison, daf\u00fcr aber nur alle 3 Jahre. Wir erfahren noch so einiges mehr, d\u00fcrfen ein paar der Sch\u00fctzlinge aus der N\u00e4he bestaunen und schlie\u00dflich zusehen, wie sie sich wagemutig ins Meer und damit ins Leben st\u00fcrzen. Wenn sie es schaffen, was nur einem von 1.000 Tieren gelingt, kehren sie dann nach 30 Jahren als ausgewachsene Schildkr\u00f6te mit einer Panzerl\u00e4nge von etwa 1 m wieder an den Ort zur\u00fcck, wo sie einst geschl\u00fcpft sind, um dann selbst Eier zu legen.<\/p>\n<p><strong>Heron Island: Stramme Fahrtage bis zum Paradies. <\/strong>Bundaberg befindet sich in etwa auf gleicher H\u00f6he wie das s\u00fcdliche Ende des ber\u00fchmten Great Barrier Reef. Und das wollen wir nat\u00fcrlich mit eigenen Augen sehen. Es stehen verschiedene Inseln zur Auswahl, die sich in dieser Region vor allem dadurch auszeichnen, dass sie reine Koralleninseln sind. Das hei\u00dft, sie sind ausschlie\u00dflich aus aufgeschwemmten Korallen entstanden. Wir wissen nicht so recht f\u00fcr welche der Inseln wir uns entscheiden sollen. Auf Lady Musgrave kann man eigentlich Campen, doch wie die Anfrage beim Department of Environment ergibt, jetzt gerade leider nicht. Vermutlich wegen der Schildkr\u00f6ten die gerade schl\u00fcpfen. Damit bleibt f\u00fcr diese Insel nur ein Tagesausflug, der uns aber zu heikel ist, da der Weg weit und wir beide nicht besonders seetauglich sind. Daher entscheiden wir uns f\u00fcr Lady Elliot, die man ausschlie\u00dflich per Flugzeug binnen 25 Minuten erreichen kann. Als wir buchen wollen gibt es jedoch keine freien R\u00fcckfl\u00fcge mehr. Also kommt die letzte Variante ins Spiel: Heron Island. Hatten wir eigentlich \u201eaussortiert\u201c, da das \u00dcbersetzen auf die 80 km vor dem Festland gelegene Insel zwei Stunden Fahrzeit per Boot beansprucht und wir viele Horrormeldungen von zumeist hohem Seegang gelesen haben. Selbst im Werbeflyer wird zur Einnahme von Reisetabletten geraten \u2013 egal bei welchem Wetter. Nun gut, es ist wie es ist, wir werden es schon irgendwie \u00fcberstehen. Die Buchungsanfrage ergibt, dass uns genau zwei Tage f\u00fcr die 195 km bis nach Gladstone bleiben, von wo das Boot starten wird. So hei\u00dft es f\u00fcr diesen Abend noch schnell einkaufen, damit wir morgen in aller Fr\u00fche startklar sind. Nach wenig Schlaf \u2013 den benachbarten Campern aus Frankreich sei Dank \u2013 machen wir uns auf den Weg. Die Strecke ist mal wieder h\u00fcgelig, doch recht gut zu fahren. Wir wollen heute unbedingt schon den Gro\u00dfteil der Etappe hinter uns bringen, damit wir morgen auch zeitig unser Ziel erreichen. Nach 125 km \u2013 unserem bisherigen Rekord \u2013 erreichen wir halbwegs ersch\u00f6pft ein Roadhouse am Highway, an dem man auch campen kann. An Tag zwei sind wir froh, dass wir schon so viel der Strecke hinter uns gebracht haben. Und die Aussicht auf ein paar Tage Inselleben lassen die Kilometer schnell vergehen. Wir erreichen das Backpacker Gladstone: Ein kleines Doppelzimmer, die M\u00f6glichkeit unsere R\u00e4der sicher unterzustellen und ein kostenloser Transfer zur Ferry am n\u00e4chsten Morgen. Und wir haben Gl\u00fcck: Die See ist spiegelglatt. So macht es auch nichts, dass die eigentlichere F\u00e4hre mit Motorschaden im Hafen verbleibt und wir auf ein noch kleineres B\u00f6tchen umsteigen m\u00fcssen, dass anstelle der 2 eben 2 \u00bd Stunden f\u00e4hrt. Und irgendwann taucht sie dann am Horizont auf: Heron Island \u2013 Willkommen im Paradies! Eine kleine bewaldete Insel, ums\u00e4umt von wei\u00dfem Strand aus pulverisierten Korallen. T\u00fcrkisfarbenes Wasser, schon vom Boot aus sieht man Rochen, Riffhaie und zahlreiche andere kleine und gro\u00dfe Fische. Wir sind gleich fasziniert und kommen aus dem Staunen kaum heraus. Eine sch\u00f6ne Anlage inmitten der B\u00e4ume, viele viele viele ! V\u00f6gel, schnorcheln vom Strand aus und mal wieder perfektes Timing: Die Gezeiten liegen gerade so, dass wir morgens und abends schnorcheln k\u00f6nnen und der Mond ist fast voll, so dass wir am zweiten Abend nach D\u00e4mmerung immer noch gen\u00fcgend sehen k\u00f6nnen, als sich eine der gro\u00dfen Meeresschildkr\u00f6ten den Strand hinauf k\u00e4mpft, um ihre Eier abzulegen. Wir sind sehr dankbar, dass wir dies alles erleben d\u00fcrfen. Und leider liegt gerade nichts ferner als Fahrradfahren \u2013 auch wenn wir mit unseren halb-braunen Beinen und Armen ein lustiges Bild beim Schnorcheln abgeben. Wir realisieren, dass nun die Etappen beginnen werden, die da hei\u00dfen: Radeln, radeln und noch mehr radeln. Die Abst\u00e4nde zwischen den einzelnen \u201eSehensw\u00fcrdigkeiten\u201c werden nun immer gr\u00f6\u00dfer und die Strecken, \u00fcber die die meisten Autofahrer sagen, dass sie sich einfach nur ziehen, langweilig und eint\u00f6nig sind, werden nun kommen. Da freuen wir uns umso mehr \u00fcber die \u201eR\u00fcckenwind-Spende\u201c von Harald aus H\u00f6chst, die uns heute erreicht hat. Vielen Dank \u2013 nat\u00fcrlich auch allen anderen Spendern! Inzwischen sind wir aus dem Paradies vertrieben und nach W\u00e4sche waschen, Fahrradwartung, Einkaufen und Bericht schreiben hei\u00dft es dann morgen wieder rauf auf\u00b4s Rad. Bis nach Airlie Beach, unserem n\u00e4chsten Ziel mit etwas Aufenthalt, liegen in etwa 600 km vor uns.<br \/>\nngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fraser Island. Die gr\u00f6\u00dfte Sandinsel der Welt, steht seit Beendigung der kommerziellen Nutzung durch Holzabbau und Mining im Jahr 1992 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der Unseco. 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