{"id":2314,"date":"2015-06-02T11:53:27","date_gmt":"2015-06-02T10:53:27","guid":{"rendered":"http:\/\/karifa.de\/?p=2314"},"modified":"2015-06-02T11:53:27","modified_gmt":"2015-06-02T10:53:27","slug":"tennant-creek-bis-darwin-1-163-km-macht-7-079-km","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/karifa.de\/?p=2314","title":{"rendered":"Tennant Creek bis Darwin: 1.163 km \u2013 macht 7.079 km"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Radelpause im Red Center f\u00e4llt es schwerer als gedacht, wieder den richtigen Tritt zu finden. Zwar freuen wir uns, endlich wieder auf dem Rad zu sitzen und unsere Route fortzusetzen, doch scheinen die Beine \u00fcberrascht, dass sie nun doch wieder ran m\u00fcssen.<!--more--> So sind wir am ersten Tag noch guter Dinge, am Zweiten f\u00e4llt es mir ungewohnt schwer und am Dritten l\u00e4uft\u00b4s bei Uwe nicht so richtig rund. Doch dann sind wir wieder drin &#8211; die Beine wissen wieder was zu tun ist und der Wind ist uns die meiste Zeit wohlgesonnen.<\/p>\n<p>Nach vier Fahrtagen und 413 Kilometern mit einer Campingplatz- und zwei Buschn\u00e4chten erreichen wir den ber\u00fchmt ber\u00fcchtigten Pub in Daly Waters. Er wurde in den 30er Jahren als Rastst\u00e4tte f\u00fcr die Zwischenlandungen der Quantasfluglinie errichtet und erfreut sich heutzutage bei Einheimischen und Touristen gro\u00dfer Beliebtheit. Wir verbringen einen geselligen Abend mit leckerem Essen und Live-Musik im Country Stil. Viele der zumeist mit Wohnwagen reisenden Australier haben uns in den letzten Tagen irgendwo auf der Stra\u00dfe \u00fcberholt und so werden wir immer wieder angesprochen. Die Frage die am allermeisten interessiert ist stets: \u201eWie viele Kilometer fahrt ihr denn so am Tag?\u201c<\/p>\n<p>Als wir am n\u00e4chsten Morgen in den Startl\u00f6chern stecken steht pl\u00f6tzlich ein Radler neben uns. Markus aus Deutschland. Wir sind inzwischen nicht mehr sonderlich \u00fcberrascht mitten im vermeintlichen Nirgendwo auf andere Radler zu treffen. Insbesondere der Stuart Highway, auf dem wir uns seit Tennant Creek befinden, erfreut sich als nord-s\u00fcdliche Hauptverbindungsachse Australiens gro\u00dfer Beliebtheit. Viele Weltumradler queren hier den Kontinent, um ihre Tour von Asien kommend nach Neuseeland fortzusetzen oder umgekehrt. Bereits auf unserer kleinen Autorunde im Zentrum waren wir erstaunt \u00fcber die relative Vielzahl an Tourenradlern. Durch das au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Pl\u00e4uschchen kommen wir erst recht sp\u00e4t los. Am Abend erreichen wir ein Roadhouse mit angeschlossenem Campground. Wir entf\u00fchren einen Tisch und zwei St\u00fchlen aus der gruseligen Campkitchen und lassen uns zum im Schein der Taschenlampe gekochten Dinner unter einem Frangipanibaum nieder. Es ist ein sch\u00f6ner Abend, da die Nachttemperaturen inzwischen wieder angenehm warm aber dennoch mild sind und sich die Moskitoschw\u00e4rme noch in Grenzen halten. Auf dem Weg zum Z\u00e4hneputzen entdeckt Uwe ein Gehege, in dem sich einige der seltenen und in ihrem nat\u00fcrlichen Umfeld schwer auszumachenden Gleitbeutler befinden. Diese sehen aus wie kleine Nagetiere mit buschigem Schwanz, die jedoch ein viel zu gro\u00dfes Fell besitzen, das seitlich am K\u00f6rper herunterh\u00e4ngt. In etwa so, als h\u00e4tten sie ordentlich abgenommen, nur dass das Fell nicht mitgeschrumpft ist. Doch gerade dieses \u00fcberdimensionierte Fell k\u00f6nnen sie beim Sprung von Baum zu Baum wie eine Art Gleitschirm einsetzen und so Distanzen bis 50 Metern in einer Art Segelflug zur\u00fccklegen. Sch\u00f6n, dass wir diese interessanten Tiere nun doch noch zu sehen bekommen, wenn auch leider in Gefangenschaft.<\/p>\n<p>Die Landschaft rechts und links des Highways erscheint langsam immer eint\u00f6niger. Umso \u00fcberraschter sind wir, als wir am Abend die Bitter Springs bei Mataranka erreichen. Ein kleiner Bachlauf, ges\u00e4umt von \u00fcppig gr\u00fcner Dschungelvegetation und verschiedensten Palmenarten l\u00e4dt mit seinem 33\u00b0 warmen Thermalwasser zum wohligen Entspannen ein. Die am Camp geliehenen Poolnoodeln sind perfekt, um sich mit der \u00fcberraschend starken Str\u00f6mung des Quellbachs f\u00fcr etwa 15 Minuten flussabw\u00e4rts treiben zu lassen. So k\u00f6nnen die Radlerbeine sch\u00f6n entspannen. Sowohl die Quelle als auch der nahegelegene Campsite, der weitestgehend naturbelassenes Urwaldterrain bietet, gefallen uns so gut, dass wir unseren Muskeln und uns noch einen weiteren Ruhetag im Thermalwasser g\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gut gest\u00e4rkt geht\u00b4s weiter nach Katherine. Hier gibt\u00b4s wieder einen richtigen Supermarkt und obgleich wir erst sp\u00e4t eintreffen, werden die Vorr\u00e4te noch am gleichen Abend aufgestockt. Tags drauf radeln wir die 30 Kilometer Abstecher zur Katherine Gorge im Nitmiluk National Park ohne Gep\u00e4ck. Hier hat der Fluss im Lauf vieler Jahre tiefe Schluchten in die Sandsteinfelsen gegraben. Am liebsten h\u00e4tten wir dieses System aus aneinandergrenzenden Schluchten per Kanu erpaddelt, doch auf Grund der erst k\u00fcrzlichen Krokodilsichtung ist dies derzeit noch nicht m\u00f6glich. So nehmen wir das etwas gr\u00f6\u00dfere Touren-Boot und bekommen auf der zweist\u00fcndigen Fahrt einen sch\u00f6nen Eindruck von der Kraft des Wassers &#8211; von der Str\u00f6mung des Hochwassers gebeutelte B\u00e4ume und Krokodile verschiedener Gr\u00f6\u00dfe inklusive. Auf dem R\u00fcckweg zum Camp wartet die australische Natur noch mit einer weiteren \u00dcberraschung auf. Zun\u00e4chst fliegen weit \u00fcber 50 Red-tailed Black-Cockatoos (Rabenkakadu) mit lautem Geschnatter auf. Ein paar Kilometer sp\u00e4ter folgt ein gro\u00dfer Schwarm wei\u00dfer Cockatoos und noch etwas sp\u00e4ter ein Schwarm Australian Ringnecks (Kragensittiche), ebenfalls laut schnatternd.<\/p>\n<p>Katherine ist wieder einmal ein Ort der Entscheidung. Hier geht es f\u00fcr uns eigentlich Richtung Westen, doch dann w\u00fcrden wir Darwin und zwei bedeutende Nationalparks, den Litchfield NP und den Kakadu NP, verpassen. Doch gleichzeitig sprechen wir hier von etwas mehr als 300 km einfacher Strecke, direkt wohlgemerkt, ohne Abstecher in die National Parks. Und gef\u00fchlt l\u00e4uft uns ein wenig die Zeit davon. Zwar ist noch nicht einmal H\u00e4lfte des Jahres vergangen, doch haben wir auch noch einiges an Strecke vor uns. Und die Entscheidung ist in etwa so, als w\u00fcrde man mal eben entscheiden, mit dem Rad von Mernes nach M\u00fcnchen zu radeln, \u201enur\u201c um sich die Stadt anzusehen. Also, was tun. Vor allem Uwe m\u00f6chte Darwin nicht auslassen und so schlagen wir nach einigem hin und her den Weg in Richtung Norden ein. Klar war eigentlich, dass wir dann auch in Form eines Dreiecks den Kakadu NP durch radeln: Katherine \u2013 Pine Creek \u2013 Jabiru \u2013 Darwin &#8211; Katherine. Doch d\u00fcrfen wir lernen, wie beeinflussbar der Mensch ist. Es klingt fast schon wie ein kleiner Chor aus jeder erdenklichen Ecke: Kakadu \u2013 do not do (sinngem\u00e4\u00df \u00fcbersetzt mit \u201etu\u00b4s nicht\u201c): Der Park ist viel zu gro\u00df. Er kostet Eintritt. Die Sehensw\u00fcrdigkeiten liegen viel zu weit Weg von der Stra\u00dfe. Diese Stimmen h\u00f6ren wir so oft, dass wir letztendlich beschlie\u00dfen, auf die immerhin 200 Kilometer Umweg zu verzichten. Wir fahren also auf direktem Weg nach Darwin. Also doch Mernes &#8211; M\u00fcnchen zur Stadtbesichtigung. Hat es sich gelohnt? Nun ja. Sicherlich w\u00e4re es komisch gewesen einmal um Australien zu radeln und die gr\u00f6\u00dfte und zugleich n\u00f6rdlichste Stadt des Northern Territory auszulassen. Andererseits ist es eine Stadt wie viele St\u00e4dte. Besonders sch\u00f6ne Str\u00e4nde hat sie nicht zu bieten, stattdessen ein touristisch voll erschlossenes \u201eBallermann\u201c-Viertel, in dem wir unwissentlich leider auch mit unserem gebuchten Zimmer gelandet sind. Die Campsites liegen in Darwin ausnahmslos alle mindestens 10 km au\u00dferhalb der Stadt, was uns einfach zu weit war, und zumeist direkt am Highway. Auch nicht wirklich sch\u00f6n. Sch\u00f6n hingegen war, dass gerade ein Fest der Kulturen gefeiert wurde, zu dessen Abschluss es ein sch\u00f6nes Feuerwerk gab. Sch\u00f6n war auch, der Besuch des Mindil Beach Markets, der allw\u00f6chentlich donnerstags und sonntags abgehalten wird. Zuerst gibt\u00b4s Sunset am Beach, dann allerlei K\u00f6stlichkeiten an diversen Essensst\u00e4nden und Marktbuden. Und dann war es in einer Stadt wie Darwin nat\u00fcrlich ausgesprochen einfach, ein sch\u00f6nes Restaurant zur Feier meines Geburtstages zu finden. Doch nach drei Tagen ist es dann auch wirklich an der Zeit die Stadt wieder zu verlassen. Dies haben wir gestern getan und zwar per F\u00e4hre. 15 Minuten hat das \u00dcbersetzen nach Mandorah gedauert und schon waren wir wieder mitten in der Natur. Herrlich. Noch besser war, dass die F\u00e4hre eine reine Personenf\u00e4hre ist, so dass der Verkehr sich auf dieser Seite der Bucht schlagartig verliert. Somit waren die ersten 27 km bis zur n\u00e4chsten Abzweigung eine wirkliche Wohltat f\u00fcr die Sinne. Abgesehen von ein paar kr\u00e4chzenden Kakadus einfach nur Stille. Der Stadt- und Partyl\u00e4rm der vergangenen Tage als auch die zunehmende Verkehrsdichte auf dem Stuart Highway in Richtung Darwin war schon ziemlich nervenaufreibend und erm\u00fcdend. Neben den Roadtrains, die sich sehr r\u00fccksichtsvoll verhalten und wann immer m\u00f6glich sogar auf die andere Spur der Stra\u00dfe wechseln, sind auf dem Stuart Highway auch viele Wohnwagen unterwegs. Es gibt viele Australier, die im hiesigen Winter aus dem k\u00fchlen und mitunter ungem\u00fctlichen S\u00fcden in den warmen Norden ziehen, um hier einige Wochen oder Monate zu verbringen. Und so war die Verkehrsdicht in den letzen zwei Wochen ungewohnt hoch f\u00fcr uns. So genie\u00dfen wir die kurze Stille ganz besonders bis wir am Nachmittag einen Campsite vor den Toren des Litchfield NP ansteuern, auf dem wir Daniela und Stephan wieder treffen. Die beiden sind mit dem Liegerad unterwegs (<a href=\"http:\/\/www.liegebummler.bike\">www.liegebummler.bike<\/a>) und seit Tennant Creek haben sich unsere Wege schon einige Male gekreuzt. Wir verbringen einen weiteren netten Abend und den heutigen Tag zusammen, bevor sich unsere Wege dann wirklich trennen. Daniela und Stephan fahren hoch nach Darwin, wo ein Flieger sie mitsamt ihren R\u00e4dern nach Alaska bringt, wo neue Abenteuer auf sie warten.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns bleibt erst einmal alles wie es ist: Warm mit hoher Luftfeuchtigkeit und vielen M\u00fccken. Wir werden morgen in den Litchfield NP fahren, dann wieder zur\u00fcck nach Katherine, wo dann der zweite Richtungswechsel unserer Tour bevorsteht. Es geht nach Western Australia, wo die Kimberleys mit der Gibb River Road und das Ningaloo Reef auf uns warten. Wir hoffen mit diesem Richtungswechsel auf etwas weniger Verkehr, etwas k\u00fchlere Temperaturen, weniger Moskitos und damit insgesamt wieder auf etwas mehr Natur \u2013 auch wenn sich das von au\u00dfen betrachtet vielleicht komisch anh\u00f6rt. Immerhin ist das Northern Territory mehr als dreimal so gro\u00df wie Deutschland, wohingegen nur etwa 230.000 Menschen hier leben. Davon mehr als 100.000 in Darwin.<br \/>\nngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Radelpause im Red Center f\u00e4llt es schwerer als gedacht, wieder den richtigen Tritt zu finden. 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