{"id":3018,"date":"2015-10-22T11:52:41","date_gmt":"2015-10-22T10:52:41","guid":{"rendered":"http:\/\/karifa.de\/?p=3018"},"modified":"2015-10-22T11:56:47","modified_gmt":"2015-10-22T10:56:47","slug":"die-nullarbor-esperance-bis-ceduna-1-359-km-macht-15-072-km","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/karifa.de\/?p=3018","title":{"rendered":"Die Nullarbor! Esperance bis Ceduna: 1.359 km \u2013 macht 15.072 km"},"content":{"rendered":"<p>Die Nullarbor. Rund 1.300 Kilometer, dazwischen ab und an ein Roadhouse, sonst nichts. Au\u00dfer nat\u00fcrlich viel Natur und viel Weite und manchmal auch viel Verkehr. Wir dachten, diese besondere Strecke verdient einen besonderen Bericht und so d\u00fcrft Ihr beim Lesen genau so viel Durchhalteverm\u00f6gen aufbringen, wie wir beim Radeln der Strecke!<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>In Esperance entscheiden wir uns daf\u00fcr, nicht \u00fcber Norseman zu fahren, sondern den direkteren Weg \u00fcber Condingup zu nehmen. Dieser ist etwas k\u00fcrzer als die Stra\u00dfe, m\u00fcndet daf\u00fcr aber nach einigen Kilometern Teer in eine Piste, \u00fcber deren Zustand wir unterschiedliche Informationen bekommen. Verkehrstechnisch wird es auf jeden Fall deutlich ruhiger sein als auf dem Highway, was uns jedoch genau erwartet, werden wir erst wissen, wenn wir unterwegs sind.<\/p>\n<p><strong>Tag 1 der Nullarbor-Etappe: Montag, 05. Oktober<br \/>\nEsperance &#8211; Gondingup &#8211; Bushcamp: 116 km<br \/>\n5:22 Std. reine Fahrzeit &#8211; 21,57 km\/h Durchschnitt &#8211; 326 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nAusschlafen ist nicht &#8211; schnatternde V\u00f6gel und zusammenpackende Nachbarn auf dem Campingplatz wecken uns um sechs. Wir bleiben noch etwas liegen und r\u00f6deln dann ebenfalls unser Zeug zusammen. Dann gibt&#8217;s M\u00fcsli mit Apfel und echter Milch und ein paar nette Worte mit einer Lehrer-Austauschfamilie aus Kanada. Um kurz nach neun geht&#8217;s los. Der Wind ist mit uns, die Stra\u00dfe flach und wir kommen gut voran. Gegen Mittag erreichen wir Condingup und als wir uns gerade zum kalte-Pizza-von-Gestern-Essen auf den Sportplatz-Pfosten niedergelassen haben, f\u00e4hrt ein uns bekannter Sprinter auf den Platz. Lyn, diesmal in Begleitung ihrer Freundin Joy aus Brisbane. Wir bekommen Kaffee und selbstgebackenen Fruitcake angeboten &#8211; sehr lecker &#8211; und plaudern eine Weile. Dann f\u00fcllen wir unser Wasser auf (28,5 Liter), fragen in der Taverne noch mal kurz nach dem Zustand der weiteren Strecke (\u201eWas, ihr seid schon so weit gefahren und sorgt euch \u00fcber das kurze St\u00fcckchen Piste?\u201c) und treten dann unterst\u00fctzt vom Wind nochmal kr\u00e4ftig in die Pedalen. Gute Stra\u00dfe, wenig Verkehr. Irgendwann h\u00e4lt ein Wasser-Truck am Stra\u00dfenrand und der Fahrer h\u00e4lt ein nettes Schw\u00e4tzchen mit uns. Er wusste vom Funk der Truckis, dass wir auf der Stra\u00dfe sind und dachte er fragt mal, ob alles in Ordnung ist. Was die Truckis \u00fcber uns gesagt haben hat er nicht verraten. Gegen halb f\u00fcnf &#8211; wir haben inzwischen die Piste erreicht und der Wind wird langsam ungem\u00fctlich &#8211; finden wir ein \u00dcbernachtungspl\u00e4tzchen im Busch, ein paar Meter abseits der Stra\u00dfe. Zelt aufbauen, Mini-Katzenw\u00e4sche &#8211; das Wasser ist kostbar &#8211; umziehen, Instantnudeln mit frischer Paprika, eine Tasse hei\u00dfen Tee gegen die K\u00e4lte, eine Orange f\u00fcr die Gesundheit, Kekse f\u00fcr\u00b4s Gem\u00fct, Z\u00e4hneputzen und ab ins Zelt. Drau\u00dfen ist es Dunkel und ungem\u00fctlich. 18.30 Uhr. Bericht schreiben, Schlafen.<br \/>\nAch ja, wir waren heute nicht allein unterwegs. Jeder von uns hatte etwa 60 blinde Passagiere auf dem R\u00fccken sitzen und etwa 15 der gleichen Gattung im Gesicht herumschwirren &#8211; Ohren, Augen und Nasenl\u00f6cher waren besonders beliebt. Das war unser bisher nervigster Fliegentag. Und abends entdecken wir hunderte winziger Punkte auf unseren Klamotten: Fliegensch&#8230;<\/p>\n<p><strong>Tag 2 der Nullarbor-Etappe &#8211; Dienstag, 6. Oktober<br \/>\nBushcamp \u2013 Bushcamp: 85 km<br \/>\n5:20 Std. reine Fahrzeit &#8211; 15,89 km\/h Durchschnitt &#8211; 269 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nSo schlecht haben wir schon lange nicht mehr geschlafen. Es hat die ganze Nacht hindurch gest\u00fcrmt, die B\u00e4ume haben geknarrt, als wollten sie ihre \u00c4ste abwerfen und ein paar Mal hat es geregnet. Naja, wenigstens haben wir genug Wasser f\u00fcr starken Kaffee dabei. Um sechs sind wir dann endg\u00fcltig wach &#8211; ein K\u00e4nguru h\u00fcpft direkt am Zelt vorbei.<br \/>\nUm sieben krabbeln wir dann raus, fr\u00fchst\u00fccken &#8211; Kaffee, M\u00fcsli mit Apfel und Instantmilch \u2013 packen zusammen und um 8.30 Uhr sitzen wir wieder auf den R\u00e4dern.<br \/>\nDie Piste ist in recht gutem Zustand, doch die Landschaft ist eint\u00f6nig, um nicht zu sagen langweilig. Je ein Streifen Buschland rechts und links der Stra\u00dfe, dahinter Farmland. Als wir nach einer Stunde und knapp 20 km zum Dehnen stoppen, tue ich meine Langeweile kund: \u201eGanz sch\u00f6n fad hier.\u201c Kaum ausgesprochen h\u00fcpft ein K\u00e4nguru nicht weit von uns \u00fcber die Stra\u00dfe, als wollte es uns vom Gegenteil \u00fcberzeugen.<br \/>\nNach weiteren 6 km endet das Farmland und die Piste wird deutlich schlechter. Wir ruckeln und holpern \u00fcber steinigen Untergrund, ab und an gibt es etwas bessere Passagen, dann wieder schlechtere. Der Wind wechselt immer wieder seine Richtung und kommt auch oft frontal, aber deutlich schw\u00e4cher als gestern. Als ich nach knapp 50 km einen Stein so bl\u00f6d erwische, dass ich mich fast auf die Nase lege, machen wir Mittagspause. Die ist jedoch eher m\u00e4\u00dfig erholsam, da uns neben den Fliegen heute auch noch eine Menge Marshflies \u2013 \u00e4hnlich der heimischen Bremsen &#8211; bedr\u00e4ngen. Das hatten wir bisher noch nicht. Zum Gl\u00fcck hilft das Moskitospray und die Stecherei l\u00e4sst etwas nach. Es gibt mit Salat, K\u00e4se und Rote Bete belegte Sandwiches. Danach Rosinen- bzw. Nutellabrot mit Banane, begleitet von einem Summkonzert der Insekten &#8211; wenig entspannend. Also wieder rauf auf die R\u00e4der und weiter \u00fcber die steinige Piste. Um 16.30 Uhr suchen wir wieder nach einem Nachtplatz im Buschland. Zelt aufbauen, Katzenw\u00e4sche, hei\u00dfen Kakao, Gem\u00fcse-Curry mit Reis und noch einen warmen Tee gegen die K\u00e4lte, mit Keks. Sp\u00fclen muss auch noch sein.<br \/>\n19:45 Uhr und 8,6 Grad. Brrrrrr. Zeit f\u00fcr den Schlafsack. Ach ja, wir haben die Piste heute mit nur vier Autos geteilt. Das gab&#8217;s schon lange nicht mehr.<\/p>\n<p><strong>Tag 3 der Nullarbor-Etappe: Mittwoch, 7. Oktober<br \/>\nBushcamp \u2013 Balladonia Roadhouse: 74 km<br \/>\n5:26 Std. reine Fahrzeit &#8211; 13,58 km\/h Durchschnitt &#8211; 176 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nWir haben sooo gut geschlafen! Trotzdem f\u00e4llt mir das Aufstehen schwer. Zu viele schmerzende Muskeln \u00fcberall. Uwe macht schon mal Fr\u00fchst\u00fcck &#8211; M\u00fcsli mit Apfel und Instantmilch und echten Kaffee, dann stehe ich auch auf. Sp\u00fclen, Buschtoilette, zusammenpacken und um 9.15 Uhr drehen sich die Pedalen. Die Strecke ist \u00e4hnlich wie gestern, nur dass sich zu den Steinen noch Wellblech und Gegenwind hinzugesellen. Wir kommen also noch langsamer voran. Zwischendrin entdecken wir eine Carpet-Snake (Teppichschlange, ungiftig), die sich am Stra\u00dfenrand entlang schl\u00e4ngelt.<br \/>\nNach 40 km und um kurz nach eins dann Mittagspause mit Salat- und K\u00e4sebroten, Fliegen und Marshflies &#8211; nerv &#8211; und Nutellabrot mit pistengematschter Banane zum Nachtisch.<br \/>\nNach einigen weiteren Kilometern gibt es wieder etwas bessere Pistenabschnitte, die, je weiter wir uns dem Highway n\u00e4hern, immer l\u00e4nger werden. Das ist auch gut so, denn sonst w\u00fcrden wir es nicht mehr im Hellen bis zum Roadhouse schaffen und eine weitere Buschnacht ist mangels Wasser nicht drin. Schade eigentlich, denn trotz der Anstrengung hat uns die Strecke gut gefallen und das letzte Buschcamp war eins der sch\u00f6nsten \u00fcberhaupt. So friedlich und nicht ein Auto zwischen Zeltauf- und Zeltabbau. Das wird auf der Nullarbor anders sein. Als wir gegen 17 Uhr das Balladonia Roadhouse und damit die Nullarbor erreichen, gibt es zur Belohnung und zum sofortigen Auff\u00fcllen der Energiespeicher ein Eis f\u00fcr jeden. Zelt aufbauen, hei\u00df Duschen, W\u00e4sche waschen und zur Feier der heute \u00fcberschrittenen 14.000 Kilometer gehen wir einen Burger essen. Wir haben einen B\u00e4renhunger und leider dauert das eher m\u00e4\u00dfige Essen Ewigkeiten. 20.30 Uhr, wir sind hundem\u00fcde, noch schnell Bericht schreiben und ab ins Bett und den vorbeidr\u00f6hnenden Trucks lauschen. Na, da h\u00f6rt man wenigstens den Generator des Roadhouses nicht. Und es ist immer noch viel zu kalt: 12,2 Grad.<\/p>\n<p><strong>Tag 4 der Nullarbor-Etappe: Donnerstag, 8. Oktober<br \/>\nBalladonia Roadhouse \u2013 Baxter Rest Area: 116 km<br \/>\n6:58 Std. reine Fahrzeit &#8211; 16,46 km\/h Durchschnitt &#8211; 107 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nMache Tage beginnen schon mit einer Vorahnung. Um kurz nach sechs geht&#8217;s aus dem Zelt, zusammenpacken, M\u00fcsli-Apfel-Instantmilch-Fr\u00fchst\u00fcck gefolgt von einem Blueberry-Muffin vom Roadhouse zum Teilen. Uwe tankt unsere Flasche f\u00fcr den Benzinkocher auf, ich die Wasserflaschen. Bei dem Versuch, mit Uwe&#8217;s Wasserflasche in der Hand auf mein Rad zu steigen, falle ich samt diesem um. Dumm gelaufen aber nix passiert. Um 8.30 Uhr verlassen wir das Camp. Kurz darauf passieren wir das klassische Achtung, frei laufende K\u00e4ngurus, Kamele und Emus-Schild. Uwe will ein Foto machen, doch beim Anhalten auf dem etwas absch\u00fcssigen, geschotterten Seitenstreifen rutscht er auf den runden Limestones so bl\u00f6d weg, dass er unter dem Rad landet. Sch\u00fcrfwunden an Hand, Unterarm und Bein, und ein schmerzender R\u00fccken. Doch nach dem ersten Schrecken geht es wieder und wir radeln weiter. Nach 35 km Fotostopp f\u00fcr das ber\u00fchmte &#8222;l\u00e4ngste-gerade-Strecke-Australiens&#8220;-Schild, diesmal ohne Hinfallen. Kurz darauf ein weiterer Fotostopp f\u00fcr den Emergency-landing-strip mitten auf der Stra\u00dfe. Und weiter geht&#8217;s. Buschlandschaft, Abschnitte mit B\u00e4umen und Grasland wechseln sich ab. Mittagsstopp mit Kr\u00e4ckern, Schmierk\u00e4se und Salatgurke, dazu ein nettes Gespr\u00e4ch mit einem Ehepaar so um die sechzig, die nach 15 Jahren in Alice Springs gerade auf dem Weg in ein neues Leben nach Perth sind. Sie sind \u00e4u\u00dferst radbegeistert und waren gerade erst in Frankreich, um die Tour de France zu verfolgen und einige der Bergp\u00e4sse selbst zu radeln. Sie sind sch\u00e4tzungsweise so um die sechzig.<br \/>\nWeiter geht&#8217;s. 37,1 Grad zeigt das Thermometer tags\u00fcber. Buschland, Grasabschnitte, B\u00e4ume, B\u00fcsche&#8230;. Leider verpassen wir dann die letzte Gelegenheit zum Bushcamping. Es sind keine B\u00fcsche mehr da. Oder besser gesagt nur noch recht vereinzelte B\u00fcsche, die nicht mehr dazu taugen, ein Zelt dahinter aufzubauen. Was zun\u00e4chst lustig klingt wird urpl\u00f6tzlich m\u00e4chtig anstrengend, denn der Wind dreht von jetzt auf gleich von NNO auf reinrassigen Ost- und damit auf puren Gegenwind, der von jetzt auf gleich auch noch kr\u00e4ftig zulegt. Da hei\u00dft es in die Pedalen treten und k\u00e4mpfen, denn bis zum Rastplatz sind es noch 18 km und die Sonne wird f\u00fcr heute nicht mehr lange am Himmel stehen. Mit mageren 10-11 km\/h brauchen wir fast zwei Stunden und schaffen es gerade. Eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang bauen wir im allerletzten D\u00e4mmerlicht das Zelt auf und sind total geschafft. F\u00fcr die Katzenw\u00e4sche sorgt ein Feuchttuch und f\u00fcr&#8217;s Abendessen eines der drei schon lange mitgeschleppten Outdoorfood-Notfallrationen. Wasser hei\u00df machen, aufgie\u00dfen, ziehen lassen und &#8211; essen. Und schlafen. Und vorher noch Bericht schreiben, auch wenn man m\u00fcde ist und eigentlich keine Lust mehr hat. Gute Nacht!<\/p>\n<p><strong>Tag 5 der Nullarbor-Etappe: Freitag, 9. Oktober<br \/>\nBaxter Rest Area \u2013 Caiguna Roadhouse: 68 km<br \/>\n4:01 Std. reine Fahrzeit &#8211; 16,89 km\/h Durchschnitt &#8211; 74 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nSo gut habe wir schon lang nicht mehr geschlafen. Da merkt man erst, wieviel Regeneration und Kraft ein wirklich tiefer Schlaf mit sich bringen kann. Um kurz vor sieben w\u00e4rmt die Sonne heute schon so sehr, dass es im Schlafsack schon fast unertr\u00e4glich ist, auch wenn das Zelt vom Tau der Nacht noch pitschenass ist. Also erstmal alles aus dem Zelt zusammenr\u00f6deln, fr\u00fchst\u00fccken &#8211; das \u00fcbliche Apfel-Instantmilch-M\u00fcsli &#8211; sp\u00fclen und dann das Zelt abbauen. Als wir unseren Weg um 8.50 Uhr in Richtung Osten fortsetzen, kommt der Wind wieder aus der falschen Richtung. Die Landschaft besteht \u00fcberwiegend aus ewig weiten Grasfl\u00e4chen mit vereinzelten Str\u00e4uchern und B\u00fcschen. Der Verkehr ist etwas weniger als gestern, allerdings gilt es immer den R\u00fcckspiegel zu beobachten, denn bei dem Gegenwind h\u00f6rt man den von hinten kommenden Verkehr erst, wenn er schon da ist. Und wenn von vorn und von hinten gleichzeitig ein Roadtrain angerauscht kommt, hei\u00dft es runter von der Stra\u00dfe und zwar ziemlich z\u00fcgig. Und dann urpl\u00f6tzlich wird unser im hei\u00dfen Norden tagt\u00e4glicher gehegter Wunschtraum Wirklichkeit: ein Auto \u00fcberholt uns, wird langsamer, h\u00e4lt ein St\u00fcckchen vor uns auf dem Seitenstreifen an und als wir auf gleicher H\u00f6he mit ihm stoppen, \u00f6ffnet sich die Fahrert\u00fcr. Ein Mann steigt aus und streckt uns zwei eisgek\u00fchlte Pepsi-Dosen entgegen. Unglaublich aber wahr! Jetzt wissen wir, wo die ganze Zeit der Fehler lag: Wir haben uns immer Coca-Cola visualisiert &#8211; Pepsi hei\u00dft die L\u00f6sung!<br \/>\nZuckergest\u00e4rkt geht es weiter dem Wind entgegen. 5 Kilometer vor dem Caiguna Roadhouse befindet sich ein Blowhole, eine Art unterirdischer Luftschacht, durch den die Erde &#8222;atmet&#8220;. Es str\u00f6mt ein k\u00fchler Luftzug aus einem Erdloch, der, so entnehmen wir dem Hinweisschild, manchmal mit bis zu 72 km\/h bl\u00e4st. Recht interessant und vor allem erfrischend. Der Gegenwind bringt es vergleichsweise &#8222;nur&#8220; auf etwa 20 km\/h, doch das reicht uns und wir beschlie\u00dfen f\u00fcr heute etwas fr\u00fcher &#8211; 14.30 Uhr &#8211; Schluss zu machen. Kurz vor der Einfahrt zum Roadhouse erreichen wir das Ende des l\u00e4ngsten geraden Streckenabschnitts und kommen mit Peter und Dorothy ins Gespr\u00e4ch, die dieses Schild gerade fotografieren. Wir plaudern eine Weile und sie laden uns f\u00fcr sp\u00e4ter auf einen Rotwein in ihren Caravan ein.<br \/>\nWir checken am Roadhouse f\u00fcr den Campsite ein, bauen das Zelt auf und kochen Nudeln mit Gem\u00fcse-Tomatensauce und Parmesan. Die Sauce gleich in doppelter Portion f\u00fcr Morgen. Lecker! Danach Streckenplanung nach der Windvorhersage, sp\u00fclen, Fahrradketten spannen und \u00f6len, duschen, W\u00e4sche waschen und schon haben wir den Sonnenuntergang verpasst. Auf dem Weg zu Peter, Dorothy und dem Rotwein bleiben wir bei einem anderen netten Paar h\u00e4ngen und tauschen auch hier unsere Geschichten aus. Wir k\u00f6nnten noch l\u00e4nger plaudern, doch haben wir die eine Einladung ja bereits zugesagt. Also ab in den Wohnwagen und schnell sind eineinhalb gesellige St\u00fcndchen vergangen. Anschlie\u00dfend &#8211; wir haben schon wieder Hunger &#8211; nehmen wir noch eine Portion warme Minestrone und Potato Wedges im Roadhouse ein. Dazu erstehen wir noch 4 \u00c4pfel f\u00fcr 8 $, das sind etwa 5,50 \u20ac. Mit dem Wort `remote\u00b4 = Abgeschiedenheit l\u00e4sst sich in Australien viel Geld verdienen. Dazu noch eine Packung Toast zu f\u00fcr hiesige Verh\u00e4ltnisse normalem Preis. Die Mini-M\u00fcsli-Packungen f\u00fcr 3,50 $ sind uns jedoch definitiv viel zu teuer. Und ja, wir gestehen es, wir kaufen die mit 9,90 $ bisher teuerste Schokolade unserer Reise. Da m\u00fcsst Ihr jetzt schon selber umrechnen. Aber f\u00fcr 200 g. Das Gewicht macht allerdings keinen wirklichen Unterschied, denn sie ist sofort verschlungen. Genauso wie der Tag. Ratzfatz ist er um. Es ist jetzt 22.44 Uhr und eigentlich wollten wir morgen fr\u00fch raus&#8230; Mal sehen, ob das klappt. Ohrenst\u00f6psel rein und das nervige Rattern des Generators wird etwas leiser. Leider aber auch nur leiser. Das ist einer der ganz gro\u00dfen Nachteile des \u00dcbernachtens an Roadh\u00e4usern.<\/p>\n<p><strong>Tag 6 der Nullarbor-Etappe: Samstag, 10. Oktober<br \/>\nCaiguna Roadhouse \u2013 Cocklebiddy Roadhouse \u2013 Moonera Tank Rest Area: 111 km<br \/>\n6:06 Std. reine Fahrzeit &#8211; 18,19 km\/h Durchschnitt &#8211; 161 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nBereits beim Aufwachen verhei\u00dft der Wind nichts Gutes. Trotzdem er nicht gerade zimperlich bl\u00e4st, sind sowohl das Zelt als auch unsere gestern gewaschenen Radklamotten nass. Wir k\u00f6nnen uns also Zeit lassen mit unserem M\u00fcsli-Apfel-Instantmilch-Kaffee-Fr\u00fchst\u00fcck und unserem Waschhausgang. Aber eigentlich wollen wir ja los. Also wird das Zelt eben diesmal feucht eingepackt und die noch nicht trockene W\u00e4sche auf den Lenker und die Packtaschen umgeh\u00e4ngt. Der Fahrtwind wird&#8217;s schon trocknen. Doch wir kommen dann doch noch nicht los. Nachdem wir f\u00fcr 9 $ immerhin 6 Eier erstanden haben um morgen unseren M\u00fcslivorrat zu schonen, quatschen wir uns erst mit einem Ehepaar und dann mit einer f\u00fcnfk\u00f6pfigen Familie fest. Sie haben ihr Haus verkauft, ihre drei M\u00e4dels an der &#8222;Distanz-Schule&#8220; angemeldet und reisen nun auf unbestimmte Zeit durch ihr eigenes Land. Und sie haben gerade ein kleines K\u00e4nguru-Joey (K\u00e4nguruh-Junges) entdeckt, dass offensichtlich seine Mutter verloren hat und ziemlich herzzerrei\u00dfend traurig dasteht. Das Roadhouse will die Wildlife-Beh\u00f6rde informieren, die sich dann hoffentlich dem Kleinen annehmen. Als wir uns endlich loseisen, schaffen wir nicht einmal einen Kilometer, bevor uns erneut eine dreiviertel Stunde durch die Finger rinnt. Ein gro\u00dfes Schild weist am Stra\u00dfenrand auf einen Zeitzonenwechsel hin. Gut, dann ist es eben jetzt schon 10:20 Uhr. Auch nicht weiter schlimm. Das Schicksal des kleinen K\u00e4ngurus scheint symptomatisch f\u00fcr den Tag. So viele Roadkills wie heute haben wir noch auf keiner Strecke gesehen. Und leider m\u00fcssen wir sie auch riechen. \u00dcber 25 tote K\u00e4ngurus, mindestens 7 zermatschte V\u00f6gel, darunter 2 der majest\u00e4tischen wedgetailed Adler und zwei der h\u00fcbschen rosa Papageien, sowie diverse mehr oder weniger platt gewalzte Echsen und Schlangen auf 111 km ist ein trauriger Anblick. Bleibt nur zu hoffen, dass die gro\u00dfe Zahl an toten Tieren f\u00fcr eine entsprechend hohe Zahl an lebenden Tieren in dieser Gegend spricht. Wie schon einige Male auf unserer Tour zieht Uwe auch heute wieder ein ziemlich frisch \u00fcberfahrenes K\u00e4nguru von der Stra\u00dfe in den Graben, damit zum einen kein Auto auszuweichen braucht und zum anderen auch keiner der Raubv\u00f6gel, die sich gerne an den frischen Kadavern laben, zu einem weiteren Verkehrsopfer wird.<br \/>\nPassend zur Mittagspause erreichen wir wieder ein Roadhouse, wo es f\u00fcr den kleinen Hunger eine Portion Pommes mit Sauce und einen Blueberry-Muffin gibt. O.k. Und einen Cappuccino. Einzig Wasser bekommen wir nicht, da n\u00e4mlich das Wasser so knapp ist, dass man uns leider keines geben kann. W\u00e4hrend wir errechnen, wieviel uns die ben\u00f6tigten 12 Liter bei 6,50 $ pro eineinhalb Liter kosten w\u00fcrden &#8211; was wir recht lautstark tun, um unseren Unmut kundzutun &#8211; bietet sich ein Ehepaar an, uns mit Wasser aus ihrem Caravan zu versorgen. Sie hatten sich gen\u00fcgend Reserve mitgenommen, die sie aber nun nicht ben\u00f6tigen. Wasser ist hier tats\u00e4chlich immer wieder ein gro\u00dfes Thema.<br \/>\nGest\u00e4rkt und mit gen\u00fcgend Wasser bevorratet geht es weiter \u00fcber den zumindest f\u00fcr die Tiere mordsgef\u00e4hrlichen Teer. Gl\u00fccklicher Weise ist der Verkehr heute recht gem\u00e4\u00dfigt, genauso wie die Stimmung. Der Himmel h\u00e4ngt voller tr\u00fcber Wolken, die Luft ist eher schwer und so radeln wir vor uns hin in der Hoffnung, dass es trocken bleibt. Wir erreichen die Rest Area noch gerade rechtzeitig, um unser Zelt im Hellen aufbauen zu k\u00f6nnen. Abendessen ist einfach: Nudeln kochen und die gestern schon mitgekochte Sauce dr\u00fcber. M\u00fcde. Ab ins Bett.<\/p>\n<p><strong>Tag 7 der Nullarbor-Etappe: Sonntag, 11. Oktober<br \/>\nMoonera Tank Rest Area \u2013 Madura Roadhouse \u2013 Moodini Bluff Rest Area: 76 km<br \/>\n3:58 Std. reine Fahrzeit &#8211; 19,24 km\/h Durchschnitt &#8211; 108 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nDie Nacht auf der Rest Area war bis auf ein paar wenige, vorbeifahrende Trucks ziemlich ruhig und wir sind schon fr\u00fch wach &#8211; 5.43 Uhr. Das Zelt ist ausnahmsweise auch trocken und so packen wir alles zusammen und schieben die R\u00e4der ein St\u00fcck vor zu der etwas abgewrackten aber einzigen Tisch-und-Bank-Sitzgelegenheit. Auf jeden Fall besser als auf dem Boden sitzen, denn heute gibt es R\u00fchrei mit Zwiebeln, Tomate und einem Rest Oliven. Dazu pfannenger\u00f6stetes Toastbrot. Lecker! Doch wir sind etwas unruhig, da der Wind gerade aus der richtigen Richtung kommt. Also schnell sp\u00fclen und um 8.20 Uhr sitzen wir auf den R\u00e4dern, den Wind im R\u00fccken. Jepeeeh! Doch keine Viertelstunde sp\u00e4ter halten wir schon wieder an. Am Stra\u00dfenrand stehen zwei Trucks, einer davon mit hochgeklapptem F\u00fchrerhaus. Loch im K\u00fchler, so erfahren wir von den zwei, mit \u00f6lverschmierten H\u00e4nden herumbastelnden Fahrern. Die Reparatur will nicht recht gelingen und das mitten auf der Nullarbor. Nach kurzem Gespr\u00e4ch packt Uwe unser Reifenflickzeug aus und einer der Fahrradflicken wird kurzerhand auf das Loch geklebt. Dann noch mit unserem Gewebeklebeband umwickelt und ein nettes Pl\u00e4uschchen mit den Fahrern gehalten. Der eine von ihnen ist recht zuversichtlich, dass das Loch nun erfolgreich abgedichtet ist. Auf alle F\u00e4lle war es eine nette Begegnung und ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl, vielleicht auch unsererseits einem der so vielen umsichtigen Truckies geholfen haben zu k\u00f6nnen.<br \/>\nWeiter geht&#8217;s. Der Wind bleibt uns wohlgesonnen und die Stra\u00dfe weiterhin von zahlreichen toten K\u00e4ngurus ges\u00e4umt. Einziger Farbklecks ist ein sch\u00f6nes, in rot und orange, von wem auch immer, auf die Stra\u00dfe gemaltes Herz. Und dann fahren die beiden Trucks an uns vorbei. Die Reparatur scheint gegl\u00fcckt, zumindest bis zur n\u00e4chsten Werkstatt. Nach 45 km und kurz vor Mittag erreichen wir den Madura-Pass, der nach einem faszinierend weiten Blick in die afrikanische Steppe mit ihren Elefanten-, Zebra- und Antilopenherden gut 15 Meter bergab f\u00fchrt. Ja, wir vermissen die afrikanischen Tiere. So oft sind sich die Landschaften allzu \u00e4hnlich. Direkt am Fu\u00dfe des Passes liegt das Madura Roadhouse, an dem wir eine Mittagspause einlegen und auf bekannte und neue Gesichter treffen. Wir verbringen gut zwei gesellige Stunden bei Potato Wedges und Cappuccino. Dann treibt uns der Wind weiter. Zuvor noch den Wasservorrat auff\u00fcllen, was auch hier wieder zu einer kleineren Diskussion f\u00fchrt. Wir radeln knapp 24 km bis zur n\u00e4chsten Rest Area, denn laut Wettervorhersage ist f\u00fcr morgen Gegenwind mit etwa 20 km\/h gemeldet und was wir haben, haben wir. 16.30 Uhr. Wir schlagen unser Lager neben einer Sitzgruppe auf, schnell etwas waschen, diesmal sogar sehr luxuri\u00f6s mit reichlich Wasser und schnell kochen, wir sind schon wieder hungrig. Zwiebel-Knoblauch-Zucchini-Tomaten-Gem\u00fcse mit getrockneten Tomaten, Tomatenmark und Curry aufgepeppt und in einen mit Schmierk\u00e4se bestrichenen Wrap verpackt. Lecker! Und auf jeden Fall besser als beim Mexikaner in Perth. Zum Nachtisch Nutellatoast mit Banane und einen hei\u00dfen Kakao. Sp\u00fclen, Z\u00e4hneputzen ab ins Zelt. Schlafen ist noch schwierig, denn bei zwei der uns umgebenden Wohnwagen schnurren die Stromaggregate, damit innen ferngesehen werden kann. Nerv. Doch wir wissen, dass sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter abgestellt werden. Und so ist es auch diesmal. Der erste verstummt um kurz nach acht und der zweite, der wie eine sich drehende Waschmaschinentrommel klingt, wird um kurz nach halb neun abgestellt. Nun h\u00f6rt man nur noch den Wind, \u00fcber den man aber besser gar nicht erst anf\u00e4ngt nachzudenken, und das unregelm\u00e4\u00dfige Schnarchen aus einem etwas von uns entfernt stehenden Zelt. Aber zum Gl\u00fcck gibt es ja Ohropax und schlafen ist eh noch nicht, es m\u00fcssen noch Gestern und Heute geschrieben werden. Geschafft. 22:04 Uhr und inzwischen schnarcht es auch direkt neben mir.<\/p>\n<p><strong>Tag 8 der Nullarbor-Etappe: Montag, 12. Oktober<br \/>\nMoodini Bluff Rest Area \u2013 Mundrabilla Roadhouse: 91 km<br \/>\n5:44 Std. reine Fahrzeit &#8211; 15,95 km\/h Durchschnitt &#8211; 24 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nDies ist einer der Tage, an denen man schon beim Aufstehen wei\u00df &#8211; das wird nix. Bereits um halb sechs l\u00e4rmen die Zeltnachbarn herum. Und der Wind ist auch schon da. Falsche Richtung. Eigentlich m\u00f6chte man da einfach nur liegen bleiben. Doch das n\u00fctzt ja auch nicht wirklich. Wir fr\u00fchst\u00fccken also wie \u00fcblich und packen zusammen. Um acht sitzen wir auf den R\u00e4dern und schon nach ein paar Minuten brauche ich w\u00e4rmere Sachen. Der Wind ist zu kalt. Wir stoppen gerade passend um zwei Oversize-Trucks mit je einer riesigen Schaufel f\u00fcr irgendeine Superpit-Miene vorbeizulassen. Weiter geht&#8217;s. Die Landschaft ist eint\u00f6nig, die meisten K\u00e4ngurus tot und der Wind ist stark. Wir kommen nur schleppend voran und haben 90 km vor uns. Kein gutes Gef\u00fchl, wenn man wei\u00df, dass man etwa sechs Stunden im Sattel zubringen wird, nur um gegen den Wind anzuk\u00e4mpfen. Kurzer Stopp nach zwei Stunden und 30 km. Weiter geht\u2019s. Dann erblicken wir in der Ferne etwas, das wie ein uns entgegenkommender Radfahrer aussieht. Und so ist es auch. Wir stoppen f\u00fcr ein Pl\u00e4uschchen und kurz darauf kommen in gleicher Richtung in der auch wir unterwegs sind, noch ein paar weitere Radler hinzu. Diese geh\u00f6ren zu einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe deren Alter zwischen vielleicht 50 und 73 \u2013 das wissen wir genau \u2013 Jahren liegt. Sie fahren unterst\u00fctzt von einem Begleitfahrzeug f\u00fcr ihr Gep\u00e4ck von Perth nach Newcastle, ihre Heimatstadt, etwa 150 km n\u00f6rdlich von Sydney. Sie laden uns ein, in etwa 20 km die Mittagspause gemeinsam zu verbringen. Und da haben wir dann Gelegenheit, etwas mehr zu erfahren. Da das Mundrabilla Roadhouse auch ihr heutiges Ziel ist, werden wir uns dort sp\u00e4ter wiedersehen.<br \/>\nDie dann folgenden 30 km sind die Schlimmsten. Wir wollen nur noch ankommen. Haben keine Lust mehr auf Gegenwind. Kurz vorm Ziel dann nochmal zwei Overzise-Trucks, bei deren Herannahen wir freiwillig und schnellstm\u00f6glich in den Stra\u00dfengraben eilen. Wer h\u00e4tte gedacht, dass die Ladung von heute fr\u00fch noch zu toppen gewesen w\u00e4re. Gigantisch.<br \/>\nUnd dann endlich das Roadhouse. Doch auch wenn wir es aufgrund der weiten Sicht schon lange in der Ferne ausmachen k\u00f6nnen, es dauert weitere 20 Minuten, bis wir es endlich erreichen. Wir checken f\u00fcr den Campsite ein und fragen nach einem f\u00fcr uns abgegebenen P\u00e4ckchen. Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen mit Roadh\u00e4usern, hatten wir trotz gegenteiliger Aussagen nicht wirklich darauf gebaut, dass wir auf der Nullarbor ein kleineres oder gar gr\u00f6\u00dferes Sortiment an Lebensmittel vorfinden w\u00fcrden. Und so war es auch. Abgesehen von etwas frischem Obst und den \u00fcblichen Getr\u00e4nke- und Schokoladensortimenten waren die Eier schon eine echte \u00dcberraschung f\u00fcr uns. Daher hatten wir in Esperance ein P\u00e4ckchen zusammengepackt, das wir einem holl\u00e4ndischen P\u00e4rchen mit auf den Weg zu diesem Roadhouse gegeben hatten. Und hier ist es nun: Unser P\u00e4ckchen mit M\u00fcsli- Kaffee-, Kakao-, Mandel-, Instantmilch und Wrap-Nachschub. Super! Das hat ja prima geklappt! Doch unsere Freude wird ein wenig getr\u00fcbt, als beim Zeltaufbau ein scheu\u00dfliches Ratsch-Ger\u00e4usch ert\u00f6nt und pl\u00f6tzlich ein 50 cm langer Riss unser Zelt ziert. Das auch noch. Wir sind m\u00fcde. Keine Lust und Energie mehr f\u00fcr so \u00fcberfl\u00fcssige Dinge wie Zeltflicken, zumal wir keinen Zeltflicker f\u00fcr so einen kapitalen Schaden haben. Und unser Klebeband reicht auch nicht. Das klebt jetzt auf dem K\u00fchlerloch des Trucks. Doch die Mitarbeiter des Mundrabilla Roadhouses sind sehr hilfsbereit und geben uns eine gro\u00dfe Rolle Klebeband, von der wir so viel verwenden k\u00f6nnen, wie wir brauchen. Also Zeltflicken, alles einr\u00e4umen, Duschen, W\u00e4sche waschen und endlich etwas essen gehen. Im Roadhouse. Nach Kochen ist uns nicht. Zu m\u00fcde, zu windig und zu kalt.<\/p>\n<p><strong>Tag 9 der Nullarbor-Etappe: Dienstag, 13. Oktober<br \/>\nMundrabilla Roadhouse \u2013 Eucla Roadhouse: 67 km<br \/>\n4:12 Std. reine Fahrzeit &#8211; 15,93 km\/h Durchschnitt &#8211; 113 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nWir schlafen aus. Bis zwanzig nach acht. Was f\u00fcr ein Luxus. Uwe allerdings hat die halbe Nacht wach gelegen. Wegen dem Generator. Drau\u00dfen windet es schon wieder zum am besten im Zelt bleiben. Machen wir auch. Fr\u00fchst\u00fcck im Zelt. Nur nach dem M\u00fcsli-Apfel-Instantmilch-Fr\u00fchst\u00fcck krabbele ich kurz raus, um am Roadhouse ein St\u00fcck Kuchen zu kaufen. Ausverkauft. Und der Frische ist noch im Ofen. Also gibt&#8217;s stattdessen eine Schokolade zum zweiten Kaffee. Es regnet ein paar dicke Tropfen, h\u00f6rt dann aber wieder auf. Seit Tagen reden alle von 42 Grad Hitze. Wir h\u00e4tten im Augenblick nichts dagegen, wenn die endlich mal k\u00e4men. Wir packen entspannt zusammen und bauen das Zelt ab. F\u00fcr diese Etappe g\u00f6nnen wir uns den Luxus von drei 1,5-Liter-Flaschen gekauftem Wasser a`6 $. Zwar wurde uns versichert, dass das Leitungswasser hier trinkbar sei, doch schmeckt es so schlecht, dass wir das nicht schaffen. Und wir haben schon viel schlecht schmeckendes Wasser getrunken.<br \/>\nUm 10:20 Uhr verlassen wir das Roadhouse und freuen uns, dass der Wind etwas weniger heftig weht. Die Freude w\u00e4hrt jedoch nicht lang, denn nach unserer Cr\u00e4cker-mit-Schmierk\u00e4se-Gurke-und-rote-Beete-Pause n\u00fctzt uns auch diese St\u00e4rkung wenig. Gleich verpufft im Gegenwind. Doch es ist nicht zu \u00e4ndern. Allerdings verh\u00e4lt es sich in diesem Falle wie mit der roten Ampel, die, wenn man es besonders eilig hat, einfach nicht umspringen will. Wir wollen ankommen, doch weder Zeit- noch Kilometeranzeige am Tacho bewegen sich. Nach endlos erscheinenden Stunden und dem Erklimmen des Eucla-Passes mit seinen 90 H\u00f6henmetern, erreichen wir das au\u00dfergew\u00f6hnlich herausgeputzte Roadhouse. Es gibt ein Eis zum Auff\u00fcllen der Energiespeicher, Zelt aufbauen, duschen und Nutzung der Waschmaschine. Nach dem W\u00e4scheaufh\u00e4ngen radeln wir vom Camp vor zum Roadhouse und gehen essen. Es ist nach ganzen vier Monaten unser letzter Abend in Western Australia. Auch wenn die Grenze nach South Australia nur ein anderes Bundesland markiert, so war es doch sehr sch\u00f6n hier, in WA.<\/p>\n<p><strong>Tag 10 der Nullarbor-Etappe: Mittwoch, 14. Oktober<br \/>\nEucla Roadhouse \u2013 Border Village \u2013 Bushcamp: 150 km<br \/>\n6:59 Std. reine Fahrzeit &#8211; 21,5 km\/h Durchschnitt &#8211; 216 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nEs st\u00fcrmt die ganze Nacht. Entsprechend unruhig ist der Schlaf. Uwe studiert noch vor dem Aufstehen die Wettervorhersage. Dass es hei\u00df wird, merkt man bereits jetzt. Hatten wir nicht gestern noch dar\u00fcber hergezogen? Wichtiger aber ist der Wind. Stark. Sehr stark. Bis 10 Uhr noch mit gro\u00dfer Gegenwindkomponente, dann drehend \u00fcber Nord und ab fr\u00fchem Nachmittag dann mit zunehmendem R\u00fcckenwindanteil. Also k\u00f6nnen wir erstmal entspannt fr\u00fchst\u00fccken und dann im vom Wind aufwirbelnden Staub unser Zeug m\u00f6glichst schnell in die Taschen verpacken. Gr\u00f6\u00dfte Aufgabe: Zelt im Wind abbauen. Wir f\u00fcllen unsere Wasservorr\u00e4te mit 29 Litern g\u00e4nzlich auf, denn wir wollen den Wind so gut und so lange ausnutzen, wie eben m\u00f6glich. Und es ist jetzt schon ziemlich hei\u00df. Dann hat man uns an der Snackbar gestern zugesagt, dass wir frisches Gem\u00fcse bekommen k\u00f6nnen. So stocken wir eine Zucchini, eine Paprika, einen Salat und drei Tomaten sowie ein St\u00fcck K\u00e4se, Reiscracker und ein paar Pl\u00e4tzchen auf. Dann noch etwas ausruhen und um 11.30 Uhr schwingen wir uns auf die R\u00e4der. Der Wind dreht! Nach 12 km \u00fcberqueren wir die Grenze zu S\u00fcd Australien. Noch ein kurzer Eisstopp am Roadhouse und weiter geht&#8217;s. Unser Fahrradtacho zeigt weit \u00fcber 40 Grad an. H\u00f6chststand sind 49 Grad, obwohl er sich w\u00e4hrend des Fahrens in unserem Schatten befindet. Also trinken, trinken und trinken. Eine weitere Herausforderung liegt in dem auf s\u00fcdaustralischer Seite nicht mehr vorhandenem Seitenstreifen. 10 cm neben der Au\u00dfenmarkierung endet der Asphalt und daneben gibt es nur noch losen Schotter. Und darauf f\u00e4hrt es sich extrem schlecht. Es hei\u00dft also den Verkehr nicht aus den Augen zu lassen, denn die Roadtrains sind schnell und laaaang. Und dann hei\u00dft es, m\u00f6glichst schnell von der Stra\u00dfe zu verschwinden. Zumindest, wenn zeitgleich Gegenverkehr im Anmarsch ist.<br \/>\nDer Eyers-Highway, auf dem wir uns die letzten Tage befinden, f\u00fchrt nun dicht an die zumeist steil abfallende K\u00fcste heran und es gibt ein paar sch\u00f6ne Aussichtspunkte. Unsere Geschwindigkeit steigert sich mit drehendem Wind von anfangs 20-23 auf 27-32 Stundenkilometer und so kommen wir heute zur Abwechslung mal wirklich gut voran. Nur die Hitze gilt es mit Vorsicht zu genie\u00dfen. Wir radeln so gut wir k\u00f6nnen, diesen R\u00fcckenwind wollen wir uns einfach nicht entgehen lassen. So machen wir neben einer Mini-Mittagspause mit ein paar Crackern und viel Fl\u00fcssigkeit eine etwas l\u00e4ngere Pause am sp\u00e4ten Nachmittag und treten dann nochmal in die Pedalen. Auch zieht sich der Himmel jetzt langsam zu und es wird immer k\u00fchler und damit angenehmer. Und bald auch schon dunkel. Wir \u00fcberlegen, ob wir die insgesamt gut 200 km bis zum n\u00e4chsten Roadhouse durchziehen, entscheiden uns nach 150 km aber dagegen. Zum einen sind wir ziemlich m\u00fcde, zum anderen hat der Wind in den letzten zwei Stunden deutlich abgeflaut, so dass uns die Sinnhaftigkeit fehlt. Also ein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr&#8217;s Zelt gesucht, zum ersten Mal im Dunkeln, etwas Wasser zum Waschen investiert und schlafen.<\/p>\n<p><strong>Tag 11 der Nullarbor-Etappe: Donnerstag, 15. Oktober<br \/>\nBushcamp \u2013 Nullarbor Roadhouse: 52 km<br \/>\n2:38 Std. reine Fahrzeit \u2013 19,8 km\/h Durchschnitt &#8211; 53 H\u00f6henmeter<\/strong><br \/>\nNach einer windgesch\u00fcttelten Nacht &#8211; eine halbe Stunde nachdem wir im Schlafsack lagen setzte er wieder ein &#8211; werden wir nicht wirklich ausgeschlafen von der Sonne geweckt. Unsere Uhr zeigt 5:53, da kann etwas nicht stimmen. An der Grenze zu South Australia gab es eine weitere Zeitumstellung, allerdings haben wir vers\u00e4umt nach der genauen Verschiebung zu fragen. Ein Schild an der Stra\u00dfe gab es diesmal nicht, wir haben zumindest keins gesehen. Um noch eine Weile Ruhe vor den schon sehr munteren Fliegen zu haben, fr\u00fchst\u00fccken wir unser gewohntes M\u00fcsli im Zelt und packen anschlie\u00dfend zusammen. Und rauf auf&#8217;s Rad. Der Wind ist besser als vorhergesagt, dennoch ziehen sich die gut 50 Kilometer bis zum Nullarbor Roadhouse m\u00e4chtig in die L\u00e4nge. Die Landschaft wechselt immer wieder zwischen kleinen B\u00fcschen und sehr niedrigen B\u00fcschen. Faszinierend. Unendliche Weite und Natur. Eine Stra\u00dfe und alle paar hundert Kilometer ein Roadhouse. Dieses erreichen wir gegen Mittag und kl\u00e4ren auch die Zeitumstellung auf. 1:45 Stunde nach vorn. Das hei\u00dft die Sonne geht nun um 7 auf und um kurz vor 20 Uhr unter. So lange Tage hatten wir bisher noch nicht in Australien. Eigentlich wollten wir uns zur Feier des Tages mal eine Cabin g\u00f6nnen. Ist uns aber f\u00fcr das was sie bietet zu teuer, also doch wieder f\u00fcr 20 $ das Zelt in den Wind gestellt. Duschen, W\u00e4sche waschen \u2013 es gibt eine Waschmaschine, Stra\u00dfenkarte studieren und m\u00f6gliche Routen f\u00fcr die Strecke ab Ceduna \u00fcberlegen. Wir hatten fest auf die in allen Karten eingezeichnete F\u00e4hrverbindung zwischen Cowell bzw. Lucky Bay und Wallaroo gesetzt, doch sind die Ger\u00fcchte inzwischen Gewissheit &#8211; sie ist seit ein paar Wochen eingestellt. Also umdisponieren.<br \/>\nDie Nullarbor wartet heute mit einer g\u00e4nzlich anderen Stimmung auf als Gestern. Statt der \u00fcber 40 Grad, dicht bew\u00f6lkter Himmel, mancherorts Regen, wie die dunklen vertikalen Streifen am Horizont anzeigen, kalter Wind &#8211; er hat eine gro\u00dfe S\u00fcdkomponente und kommt somit direkt aus der Antarktis, w\u00e4hrend der gestrige aus Norden kam und damit Luft aus dem hei\u00dfen Zentrums Australiens mit sich brachte. Und dann gibt es noch etwas, das uns auff\u00e4llt: Seit wir in South Australia sind, haben wir noch nicht ein K\u00e4nguru gesehen. Weder ein lebendes, noch ein totes. Komisch. Nein, nicht wirklich komisch. Die Nullarbor scheint hier nicht gen\u00fcgend Gr\u00fcnfutter herzugeben. Wir machen noch ein paar Fotos und essen im Roadhouse zu Abend. Die paar noch verbliebenen Lebensmittel heben wir uns f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage auf. Wieder einmal best\u00e4tigt sich unsere Erfahrung, dass man sich besser nicht darauf verl\u00e4sst, an den Roadh\u00e4usern aufstocken zu k\u00f6nnen. Umso besser, dass es mit unserem P\u00e4ckchen prima geklappt hat. Und nun schlafen. Hundem\u00fcde.<\/p>\n<p><strong>Pausentag: Freitag, 16. Oktober<br \/>\nNullarbor Roadhouse<\/strong><br \/>\nEs scheint so, als w\u00fcrde das australische Gegenwinderlebnis zum Pflichtprogramm eines jeden Australienumradlers geh\u00f6ren. Die, die im Norden gut durchkommen begegnen ihm im S\u00fcden und umgekehrt. F\u00e4llt wahrscheinlich in die Rubrik Demonstration der australischen Naturgewalten. Wir entschlie\u00dfen uns zu einem Pausentag. Die Beine sind m\u00fcde und wir auch. Und da es drau\u00dfen ziemlich st\u00fcrmt, ziehen wir f\u00fcr heute nun doch in ein Motelzimmer um. Ist einfach erholsamer.<\/p>\n<p><strong>Tag 12 der Nullarbor-Etappe: Samstag, 17. Oktober<br \/>\nNullarbor Roadhouse \u2013 Colona Rest Area: 118 km<br \/>\n7:08 Std. reine Fahrzeit \u2013 16,47 km\/h Durchschnitt &#8211; 555 H\u00f6henmeter<br \/>\n<\/strong>Ach, was ist das Bett im Motel am \u201eNullarbor Roadhouse\u201c so bequem. Es ist schon sieben und hell drau\u00dfen, als ich aufwache. Nicole schl\u00e4ft noch tief und fest. Bis wir mit Fr\u00fchst\u00fccken und Packen fertig sind und auf den R\u00e4dern sitzen, ist es halb zehn. Die Landschaft ist besonders. Str\u00e4ucher und Gras, kein Baum, soweit das Auge reicht. Was ist nat\u00fcrlich noch? Wind. Und zwar stark und aus S\u00fcdost. So schaffen wir gerade mal sechzehn Kilometer in der Stunde. Ein paar Kilometer nach dem Start treffen wir auf Frank aus Brisbane, der uns mit seinem Liegerad entgegen kommt. Kurzer Plausch, dann geht&#8217;s gleich weiter. Wir passieren die Abzweigung zum \u201eHead of Bight\u201c, die Bucht, von der aus man Wale von Land aus beobachten kann, leider sind die Letzten schon auf dem Weg in die Antarktis.<br \/>\nWir machen ein paar Fotos von der Reklametafel, da h\u00e4lt ein Auto mit Wohnwagen und die Leute sagen: &#8222;Euch haben wir doch schon mal getroffen, am Daily Waters Pub.\u201c Das war vor f\u00fcnf Monaten, oben im Norden. Kleine Welt. Wir radeln weiter, die Strecke wird h\u00fcgeliger und auch die Landschaft ver\u00e4ndert sich. B\u00e4ume und vor allem \u2013 ziemlich fies stechende Bremsen. Marchflies. In gro\u00dfer Anzahl fallen Sie \u00fcber uns her, alles Schlagen und Wedeln hilft nichts, auch nicht das Moskitospray und so verschieben wir die Mittagspause bis wir f\u00fcnfzig Kilometer voll haben. Seitlich neben der Stra\u00dfe gibt\u00b4s Wraps vom Kocher, mit K\u00e4se und Salat. Lecker. Wir wollen noch noch weitere 50 Kilometer machen und dann auf einem Parkplatz das Zelt aufschlagen, also geht`s z\u00fcgig weiter. Dass der Wind von vorne kommt, nehmen wir mittlerweile stoisch hin, wir registrieren nur noch, ob er gerade schw\u00e4cher, st\u00e4rker, oder sehr stark ist. Schlie\u00dflich schaffen wir die uns vorgenommene Strecke bis zur Rest Area. Doch dort ist niemand sonst, au\u00dfer Hunderten von stechenden Marshflies. Wenig gem\u00fctlich. Also noch einmal 20 Kilometer weiter, bis zur n\u00e4chsten Rest Area. Hier ist es besser. Keine Marshflies mehr (denen ist es inzwischen zu k\u00fchl geworden), daf\u00fcr aber ein Wohnmobil, so dass wir die Nacht nicht alleine auf dem gro\u00dfen Parkplatz verbringen m\u00fcssen. Zelt aufbauen, kochen (Nudel mit frischem Gem\u00fcse, gro\u00dfe Portion, so dass wir f\u00fcr Morgen noch etwas \u00fcbrig haben) und dann ist auch schon Sonnenuntergang und f\u00fcr uns Zeit, in die Schlafs\u00e4cke zu kriechen. Vorher entdeckt Nicole noch direkt neben dem Zelt etwas Neues: Da ist ein exakt kreisrundes Loch im Erdreich, Durchmesser ca. 10 mm und soweit wir erkennen k\u00f6nnen vielleicht 50 mm tief. Darin sitzt eine mehr oder weniger gro\u00dfe Spinne. Das Besondere jedoch ist: Neben dem Loch ist ein aufgeklappter \u201cDeckel\u201c der aus verwebter Erde besteht und beim Umklappen passgenau und nahezu unsichtbar auf dem Loch sitzt. Wir lassen den Deckel offen, da die Spinne ihn wohl f\u00fcr Nachtaktivit\u00e4ten ge\u00f6ffnet hat und erkunden nat\u00fcrlich am n\u00e4chsten Morgen die Stelle: Der Deckel ist zu! Phantastische Natur.<\/p>\n<p><strong>Tag 13 der Nullarbor-Etappe: Sonntag, 18. Oktober<br \/>\nColona Rest Area &#8211; Nundroo Roadhouse &#8211; Cohen Rest Area: 92 km<br \/>\n5:33 Std. reine Fahrzeit &#8211; 16,52 km\/h Durchschnitt &#8211; 339 H\u00f6henmeter<br \/>\n<\/strong>Gut geschlafen, bis kurz vor acht. Fr\u00fchst\u00fccken, zusammenpacken und vor den Marshflies fl\u00fcchten, die schon wieder munter sind und uns zerbei\u00dfen. Die ersten 27 km laufen prima. Wir sehen gleich zwei tote Schlangen, die wir versuchen zu identifizieren. Carpet Snake und &#8211; wir wissen es nicht. Der Wind ist fahrbar und wir freuen uns auf einen zweiten Kaffee. Am Nundroo Roadhouse spricht uns eine Frau mit den Worten &#8222;Ich bin in Mombasa geboren!&#8220; an. Wir unterhalten uns eine ganze Weile sehr nett. Weiter geht&#8217;s. Wir wollen noch knapp 80 weitere Kilometer bis Penong, dem n\u00e4chsten Roadhouse\/Campsite schaffen. Uwe hat die Wettervorhersage gescheckt, der Wind dreht etwas auf Nord und ist zumindest kein Gegen- sondern Seitenwind. Zu fr\u00fch gefreut. Der Wind dreht zwar, jedoch in astreinen Gegenwind mit deutlich mehr Kraft, als unsere Beine hergeben. Wenn uns einer der zahlreichen Trucks entgegen kommt, ist der anschlie\u00dfende Windsog so heftig, dass wir kurzzeitig fast auf der Stelle treten. Die Sache mit den Roadtrains ist augenblicklich eh so ein Thema. Seit der Grenze zu S\u00fcdaustralien gibt es keinen Seitenstreifen mehr, was ein st\u00e4ndiges Beobachten des Verkehrs erfordert. Und heute m\u00fcssen wir besonders h\u00e4ufig von der Stra\u00dfe auf den kieseligen, \u00e4u\u00dferst schlecht befahrbaren Stra\u00dfenrand ausweichen. Die Strecke zieht sich wie Kaugummi. Um 15.30 Uhr haben wir noch immer drei Fahrstunden vor uns. Keine sch\u00f6nen Aussichten bei einer Kilometerleistung von knapp \u00fcber 15 Kilometern pro Stunde. Mehr ist nicht drin. Der Wind bleibt. Dazu kommt, dass Uwe seit heute Mittag Schmerzen in der Achilles Sehne hat, die stetig zugenommen haben und uns immer wieder zum Pausieren veranlassen. Wir entscheiden am n\u00e4chsten Parkplatz Schluss f\u00fcr heute zu machen, sofern &#8211; ja, die Sache mit dem Wasser &#8211; sofern jemand anderes da ist, der uns mit Wasser f\u00fcr den Abend und die Nacht aushilft. So radeln wir der Rest Area entgegen und atmen auf, als wir dort ein Wohnmobil entdecken. Und ein zweites Mal, als Josef, urspr\u00fcnglich in \u00d6sterreich geboren aber schon lange in Australien lebend, uns mit Wasser versorgt. Danke. So k\u00f6nnen wir unser Nachtlager errichten, einen Salbenverband an Uwes Sehne anbringen und endlich etwas essen, das war heute n\u00e4mlich Dank der allgegenw\u00e4rtig nervenden Marshflies wieder etwas zu kurz gekommen. Gem\u00fcse von Gestern mit frischen Nudeln. Und trinken, trinken und noch mehr trinken. Es ist dr\u00fcckend schw\u00fcl. Der Himmel hat sich m\u00e4chtig zugezogen, am Horizont sieht man es andernorts schon wieder regnen. Wir werden sehen, was die Nacht bringt.<br \/>\nAch ja, wir hatten heute auch noch drei tote Wombats. Gibt also doch welche hier. Stinken \u00fcbrigens anders als tote K\u00e4ngurus.<\/p>\n<p><strong>Tag 14 der Nullarbor-Etappe: Montag, 19. Oktober<br \/>\nCohen Rest Area \u2013 Penong &#8211; Ceduna: 94 km<br \/>\n5:01 Std. reine Fahrzeit &#8211; 18,69 km\/h Durchschnitt &#8211; 307 H\u00f6henmeter<br \/>\n<\/strong>Die Nacht war leider wieder wenig erholsam. Es hat kr\u00e4ftig gewindet, doch trotz ein paar gefallener Regentropfen ist die Schw\u00fcle nicht wirklich gewichen. Die erste Nacht seit Monaten, in denen der Schlafsack zu warm war. Da die Fliegen schon vor uns wach sind verfr\u00fchst\u00fccken wir unseren letzten M\u00fcsli-Vorrat im Zelt. Uwe&#8217;s Achillessehne geht es scheinbar etwas besser. Wir packen zusammen und sitzen um neun auf den R\u00e4dern. Nach 17 Kilometern erreichen wir Penong, unser eigentliches Etappenziel von gestern. Beim kurzen Toilettenstopp kommen wir mit zwei Paaren ins Gespr\u00e4ch und erhalten ein paar Dollar Spende. Mit dem Auff\u00fcllen unserer Wasservorr\u00e4te sind wir weniger erfolgreich. Trotzdem wir im Corner Shop 2 \u00bd Liter Flaschen a 5 $ kaufen, bekommen wir auf unser Nachfragen unsere zwei Trinkflaschen nicht mit Leitungswasser gef\u00fcllt. Das brauchen sie hier selbst. Manchmal sind wir doch \u00fcberrascht. Da wir aber noch mehr Wasser brauchen, versuchen wir es an der Tankstelle. Im Corner Shop jedenfalls werden wir kein weiteres Geld lassen. Und siehe da \u2013 an der Tankstelle werden uns die Flaschen gegen einen Gold-Coin (Gold-M\u00fcnze, was ein oder zwei Dollar meint) mit frischem Springwater (Quellwasser) aufgef\u00fcllt. Danke.<br \/>\nWir verlassen Penong und radeln dem Ende der Nullarbor entgegen. Allerdings herrscht schon seit zwei Tagen kein Nullarbor-Feeling mehr. Die Buschlandschaft ist riesigen Getreidefeldern gewichen, die hier und da bereits abgeerntet sind. Nach ein paar Kilometern \u00fcberholt uns ein Auto und h\u00e4lt einige hundert Meter vor uns am Stra\u00dfenrand. Eine weitere Pepsi? Nein, eine Spende! Dies ist das erste Auto, das aufgrund unseres \u201eradeln f\u00fcr Kenia\u201c-Hinweises an unseren Fahrr\u00e4dern anh\u00e4lt. Wir freuen uns sehr und nehmen die 20 $ dankend entgegen. Die beiden waren selbst schon in Afrika und geh\u00f6ren einer Gemeinde an, die eine ihrerseits eine Gemeinde in Uganda unterst\u00fctzt. Wir k\u00f6nnten uns wahrscheinlich noch ewig unterhalten, doch ist es am Stra\u00dfenrand wenig gem\u00fctlich und wir wollen endlich Ceduna erreichen. Da es wieder anf\u00e4ngt zu tr\u00f6pfeln, ziehen wir unsere Mittagspause etwas vor und essen unsere letzten Wraps mit unserem letzen frischen Gem\u00fcse unter der gespannten Bodenplane von unserem Zelt. So ist der kurze Regen prima \u00fcberbr\u00fcckt. Auf zum Endspurt. Gegen 16:30 Uhr erreichen wir Ceduna und entscheiden uns f\u00fcr den Foreshore Caravanpark, auf dem wir unser Zelt aufschlagen.<\/p>\n<p>Es ist geschafft. Nach etwas mehr als 1.300 Kilometern und 14 Fahr- sowie einem Pausentag haben wir die Nullarbor durchquert und k\u00f6nnten uns nun eine der k\u00e4uflich zu erwerbenden \u201eWir-haben-die-Nullarbor-durchquert\u201c-Urkunden ausstellen lassen. Im Gegensatz zu den Urkunden auf der Gibb-River-Road ist hier sogar die Rubrik \u00b4Fahrrad` vorgesehen. Auch wenn die Etappe sehr anstrengend war, so war sie doch gleicherma\u00dfen beeindruckend. Nirgends auf unserer bisherigen Tour wurden uns die riesigen Ausma\u00dfe Australiens so deutlich bewusst wie hier. Weite, Natur und .. naja, Wind. Insbesondere der Pausentag am Nullarbor-Roadhouse hat die besondere Stimmung dieser Region sehr intensiviert. Nun werden wir die Bedeutung des Ortes Ceduna \u2013 was in der Sprache der Aborigines so viel meint wie Rast- bzw. Ruheplatz \u2013 aufgreifen. Uwe\u00b4s Achillessehne ist nach dem heutigen Fahrtag wieder deutlich schlechter gelaunt und bedarf wohl einer ordentlichen Pause. Schlie\u00dflich muss sie wieder voll einsatzf\u00e4hig sein, denn bis Sydney haben wir noch immer ein gutes St\u00fcck Weg vor uns.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nullarbor. Rund 1.300 Kilometer, dazwischen ab und an ein Roadhouse, sonst nichts. Au\u00dfer nat\u00fcrlich viel Natur und viel Weite und manchmal auch viel Verkehr. 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