Heron Island bis Bowen – 2920 km

Wir sind zurück von Heron Island und hängen noch einen Tag dran, im Backpacker in Gladstone, um für die nächsten Etappen gerüstet zu sein. Das heißt: Wäsche waschen, Fahrräder warten, Bericht schreiben, Fotos aufspielen und sichern, Proviant für die weiteren Tage kaufen, nicht Zuviel und nicht Zuwenig, überlegen wo werden die Tagesetappen enden?, gibt es dort etwas zum Einkaufen?, etc. etc..
Schlussendlich sind wir sicher, dass wir uns nun gut auf den Weg machen können. Denn was nun folgt, war so in unserem Tourablauf noch nicht gegeben, wir möchten nach sieben reinen Fahrtagen in Airlie Beach sein und dort wieder ein Stopp von einigen Tagen einlegen, denn dort gibt es sehr schöne Inselgruppen des Great Barrier Reef, die wir sehen möchten. Die Planung ist zum einen der Strecke geschuldet, da wir fast ausschließlich den Highway benutzen und es keine für uns sehenswerten Zwischenziele gibt, zum anderen ist es auch eine Art von Test, für die Abschnitte, die wir ab ca. Mitte April in Richtung Outback zu bewerkstelligen haben.
So starten wir also am nächsten Morgen und erreichen nach knapp 100 km einen Campsite kurz vor Rockhampton auf dem wir übernachten. Am nächsten Morgen kommen wir kurz vor Aufbruch mit dem Inhaber des Platzes ins Gespräch und er spendet spontan 20 australische Dollar für den Wassertank der Oasis Academy in Kenia. Es ist die erste australische Barspende und wir sind hellauf begeistert. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Glenn.

Die nächsten Tage gestallten wir ebenfalls so, dass wir morgens starten und bis abends fahren. Dazwischen alle ca. 30 km eine größere Pause. In Capricorn Cave fragen wir in einem Pub, ob man denn hier in der Nähe sein Zelt aufschlagen darf, wir dürfen und dürfen sogar den hauseigenen Pool benutzen. Am nächsten Morgen gibt es sogar noch Eiswürfel für unser Wasser, so dass wir zumindest eine Zeit lang kaltes Trinkwasser haben. Das sind die kleinen Freuden zwischendurch. Oder als wir abends um kurz nach fünf Uhr ziemlich erschöpft nach einem langen, heißen Tag an einem Campingplatz ankommen: Wir finden die Eigentümer in der Anlage, denn das Büro ist schon geschlossen. Als uns der Platzbetreiber sieht, holt er spontan zwei Dosen Bier aus dem Kühlschrank und bietet sie uns an. Das zischt! So sind es die angenehmen Kleinigkeiten, die uns auf den einzelnen Etappen schön in Erinnerung bleiben. Zwischendurch treffen wir einen anderen Tourenradler auf der Straße, wie sich herausstellt, ist Jordi – so sein Name – seit 16 Monaten unterwegs. Gestartet in Spanien, über Türkei, Asien, Indonesien ist er nun in Australien und möchte noch sehr lange weiterhin unterwegs sein. Unter der Seite www.aroundtheball.net ist seine Reise im Internet zu sehen.

Vor Beginn der ca. 600 km-Etappe bis Airlie Beach wurde uns öfters gesagt, dass es sehr langweilig sei, durch dieses Gebiet zu fahren, da hier außer Zuckerrohr und Rinderzucht nichts zu sehen sei. Das können wir so nicht bestätigen. Die Landschaft ist abwechselnd, westlich von uns (links) sehen wir immer die „Great Dividing Range“ der Gebirgszug, der von Queenslands Norden bis hinunter nach Tasmanien reicht und die weiten Flächen der Rinderfarmen sind für unser Auge auch sehenswert. So erreichen wir schließlich nach 619 km Airlie Beach.

Wie schon befürchtet, ist dieser Küstenort ein „Hotspot“ für Backpacker aus aller Welt. Dementsprechend jung, international und partyorientiert ist das Publikum. Wir suchen uns einen Campsite, der etwas außerhalb liegt, mit den Fahrrädern sind wir schließlich schnell im Ort. Die Angebote der Touristikbranche gehen hier von A-Z, mit einem schnellen Boot „Ocean-Raffting“, mehrtägige Segeltouren, mit dem Katamaran Tagestouren zu den Riffen, Schnorcheln usw. usw. Wir sind hier, weil wir das Riff von oben sehen wollen, hier bei den „Whitsunday Islands. (Am Rande bemerkt: Der Name Whitsundays, zu deutsch weiser Sonntag, erhielten die Inseln, da James Cock die Inseln am weisen Sontag entdeckt hatte.) So buchen wir einen einstündigen Rundflug über das Riff und sind begeistert.
Einen Teil dieses Wunderwerks der Natur von oben sehen zu dürfen ist für uns ein besonderes Erlebnis. Natürlich ist auch uns bekannt, dass das Riff gefährdet ist und ohne Gegenmaßnahmen viele der Korallenriffe und die damit einhergehende Tierwelt unter Wasser existenzbedroht ist. Die Gründe hierzu sind vielschichtig. So wird allen Voran der Einsatz von Pestiziden in der Zuckerrohrerzeugung angeführt, die globale Erwärmung und verschiedene andere Negativfaktoren. Schlussendlich ist jedoch auch der Tourismus ein Faktor, der mit auf die Liste der Übeltäter gehört. Spätestens nach einer Zwischenlandung auf Hamilton Island sind uns die Ausmaße des Tourismus klar: Dort landen auf einer kleinen Insel große Düsenjets, für den Bau der Landebahn und Hotelanlagen wurde nicht nur die Geographie erheblich verändert.
Nach drei Tagen in Airlie Beach ist bei uns Beiden eine Aufbruchsstimmung da. Wir wollen weiter. Wieder in einem Rutsch von sechs Fahrtagen in Richtung Norden, hoch bis nach Misson Beach. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Nicole fühlt sich seit gestern nicht so richtig wohl und nach der ersten Etappe von 86 km ist klar: Lieber eine Pause einlegen und den wattigen Kopf samt Halsschmerzen kurieren. So ziehen wir am Morgen von unserem Zelt in eine Cabin um (so heißen die in diesem Fall sehr schönen „Hütten“, die auf fast jedem Campsite zur Miete angeboten werden). Schnell ist klar, wo die Ursache des Unwohlseins liegt: Am letzten Fahrtag vor Airlie Beach war das Wetter sehr wechselhaft. Durchgeschwitzt – wir radeln im Schnitt bei Temperaturen von 36 bis 40 Grad bei 60 bis 80 % Luftfeuchtigkeit – haben wir einen Regenschauer in einem Roadhouse (das sind die hiesigen Tank- und Raststätten) abgewartet. Wie auch die Supermärkte und fast alle anderen Geschäfte und Einrichtungen war auch dieses Roadhouse stark klimatisiert und für uns schon nahe am gefühlten Gefrierpunkt. Bisher haben wir dann so schnell wie möglich die Flucht nach Draußen angetreten, doch diesmal irgendwie nicht. Und da hat´s Nicole dann wohl erwischt. Hoffentlich wird´s schnell wieder besser….

Was gibt es sonst noch für Kleinigkeiten?
– Die hinteren Radtaschen und die Lenkertasche von Uwe´s Rad fristen ein kümmerliches Dasein. Waren gebraucht und schon etwas älter und der Kleber verträgt wohl die Hitze nicht, fast täglich entstehen neue Öffnungen. Reparaturen mit Klebeband und Draht werden nun nicht mehr weiter durchgeführt, unsere Freundin Sabine – herzlichen Dank an dieser Stelle – hat uns NAGELNEUE Taschen in Frankfurt besorgt und auf den Weg gebracht.
– Den ersten Platten gab es bei km 2418, ein Drahtstift hat sich in Nicole´s Hinterreifen gebohrt.

Zu guter Letzt möchten wir noch ein paar Info´s zum Stand des Schulbauprojektes in Kenia geben. Wir freuen uns sehr, dass wir bis jetzt schon 2.439 EUR an Spenden für den Bau des Wassertank sammeln konnten und sagen ein dickes D A N K E an alle Spender. Die Projektverantwortlichen samt Helmut Günther waren wieder vor Ort, anbei die Mail von Helmut an uns:

Guten Morgen liebe Freunde Nicole und Uwe!

Ich habe heute Frühschicht am PC und will Euch unbedingt noch Grüße aus Afrika und Mamba Village schicken. Wir konnten den Schülern und Verantwortlichen in der Oasis Academy über Eure Reise und Euer Ziel erzählen. Eure Absicht wurde mit Begeisterung aufgenommen. Morgen treten wir die Rückreise an.

 

Wie geht es Euch? Vermutlich habt Ihr bereits über 2000 km zurückgelegt und habt alle möglichen Höhen und Tiefen durchlebt. Glaubt mir: „Afrika und die Menschen sind dies wert“!!! Wir konnten viele schöne Stunden mit afrikanischer Lebensfreude in uns aufnehmen und haben unser Wissen über die vielen Probleme in Kenia vertieft. Die einzige Chance für die Zukunft ist „Education“! Packen wir es einfach weiter gemeinsam an. Bleibt gesund und nun hänge ich noch ein paar Bilder an. Dabei ist auch das Bild von dem zukünftigen Standort des Wassertanks. Er wird dort errichtet, wo die derzeitigen kleinen Kunststofftanks stehen und wird die zentrale Wasserversorgung für die Schule sein. Bis Eure Reise zuende ist, soll noch ein weiteres Schulgebäude errichtet werden, strampelt also nicht zu schnell, damit wir mit den Spendengeldern nachkommen.

 

In herzlicher Verbundenheit,

Helmut und Leni

„Wir helfen in Afrika e.V.“

01. Standort für neuen Wassertank (Custom) (2) 02. provisorischer Klassenraum 02. 2015 (Custom) (2) 03. Waisenkinder der Oasis Academy Mamba (Custom) (2) 06. Gastarbeiter (Custom) (2) 07. Das Team vom Bau (Custom) (2)

3 Gedanken zu „Heron Island bis Bowen – 2920 km

  1. Hallo ihr zwei,
    das sind ja super tolle Aufnahmen vom Riff,so kann man´s halt nur von oben sehen!
    Hoffe Nicole geht es wieder besser , diese klimatisierten Räume sind wirklich nicht zu unterschätzen,haben das in den USA auch so erlebt,eisekalt kurz vorm erfrieren!!

    Also,hoffe ihr könnt bald wieder starten und freue mich schon auf die nächsten Reiseberichte!
    Ganz liebe Grüße,
    Gabi
    PS. Euer Haus steht noch!

  2. Hallo Ihr zwei Lieben,
    wir freuen uns, dass es Euch allem Anschein nach wieder besser geht, da Ihr ja wieder eine gute Leistung im Radeln erreicht habt. Wir hoffen also, Ihr habt´s überstanden, wünschen Euch weiterhin gute Fahrt und Erholung bei der nahenden Pause.
    Liebe Grüße aus Oelde

  3. Viele liebe Grüße von Teneriffa 🙂 hier ist es wie das Wetter auch unterhaltungstechnisch gemischt oder besser gesagt multikulti …alles prima. Euch gutes weiteraarbeiten 🙂 und alles Gute!

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