Bowen bis Cape Tribulation: 881 km – macht 3801 km

Bowen bis Cape Tribulation: 881 km – macht 3801 km

Eigentlich ließe sich dieser Bericht mit wenigen Worten zusammenfassen: Nach 3801 km radeln, radeln und noch mehr radeln, zwei Erkältungen, hohen Temperaturen, noch höherer Luftfeuchtigkeit, stinkenden Klamotten – trotz Waschens, vielen bereichernden Begegnungen, schönen Landschaften mit vielen Zuckerrohrfeldern und Bananenplantagen, schönen Stränden und faszinierendem Regenwald haben wir unser nördlichstes Ziel Ostaustraliens erreicht: Das Cape Tribulation. Doch etwas ausführlicher wollen wir es doch machen:Nachdem wir in Bowen zwei Tage pausiert haben, damit ich die eingefangene Erkältung kurieren kann, ist´s an Tag Drei auch nicht wirklich besser. So nehme ich schlussendlich das vom Camp-Manager arrangierte Angebot an, die nächsten 100 km in einem Wäscherei-Lkw mitzufahren. Zwar gewinne ich einen zusätzlichen Genesungstag, doch hinterlässt das Autofahren nach so vielen Kilometern auf dem Rad ein nicht ganz so schönes Gefühl. Viel lieber würde ich radeln, insbesondere da die Landschaft gerade auf dieser Etappe mal wieder sehr an Afrika erinnert. Und als wir kurz vor´m Zielort „Home Hill“ Uwe überholen, der sich bereits in aller Frühe auf´s Rad geschwungen hatte, bin ich noch ein wenig betrübter. Doch radeln hätte ich heute wirklich nicht können.

Nach einer erholsamen Nacht schwingen wir uns am nächsten Morgen wieder beide auf die Räder. Wir wollen wissen wie es gesundheitlich geht, denn es steht die Entscheidung an, wie wir unsere Tour ab Townsville fortsetzen. Eigentlich ginge es hier bereits Richtung Westen, doch wollen wir unbedingt den nördlich gelegenen Daintree National Park sehen. Wir könnten also auch die Räder in Townsville parken, einen Mietwagen nehmen – immerhin sprechen wir von 500 km einfacher Strecke – einen schönen Ausflug in den Regenwald machen und unsere Tour in etwa einer Woche wieder mit dem Rad fortsetzen. Doch ist da dieses eine Foto auf der Straßenkarte, dass eine traumhaft schöne Küstenstraße zeigt. Und da ist die Fähre über den Daintree River. Nach so vielen geradelten Kilometern ist es uns einfach nicht möglich, diese zwei Highlights in einem Mietwagen zu passieren. Also entscheiden wir uns für die Muskelkraft – zumindest „one way“ – und sind jeden Tag froh über diese Entscheidung. Es geht durch schöne Landschaften, viele Zuckerrohrfelder und auch einige Bananenplantagen und nach vier Etappen gelangen wir zum Mission Beach, einem viel gepriesenem Strand. Und er ist wirklich schön. Palmengesäumt, naturbelassen und relativ leer. Weniger schön ist, dass es inzwischen Uwe erwischt hat. Wir legen erneut einen Tag Pause ein, doch gäbe es dafür wirklich schlechtere Orte.

Wir machen langsam und arbeiten uns bis nach Cairns vor. Obwohl wir aus verschiedenen Gründen drei Tage in der Stadt verbringen, werden wir nicht richtig warm mit ihr. Zu viel Trubel, zu viele Touristen, zu viel Party, zu wenig „echte“ Stadt. Nicht wirklich unser Ding. Schön ist der Ausflug mit der historischen Eisenbahn in den Bergort Kuranda. Der allerdings ist eine einzige Ansammlung touristischer Attraktionen und völlig überlaufen. So beschränken wir uns auf die Besichtigung der Schmetterlings-Voliere, wo die tropischen Prachtstücke – einzig für Touristen gezüchtet – umherflattern und sich auf bunten T-Shirts und Mützen niederlassen. Schon schön zu sehen. Auch die geführte Tour und die Infotafeln sind interessant. Die prachtvollen blauen Ulysses Butterflies beispielsweise leben nur 10-15 Tage, andere Arten 2 bis 3 Wochen und wieder andere bis zu einem Jahr. Die Lebensdauer hängt mit der Anzahl der Flügelschläge zusammen. Je mehr eine Schmetterlingsart umherflattert, desto kürzer die Lebensdauer. Man könnte sich viel länger in dem bunten Treiben aufhalten, doch unsere Seilbahn zurück ins Tal ruft: Schweben über Regenwald, soweit das Auge reicht…

Es regnet und wir kommen erst gegen Nachmittag aus Cairns heraus. So brauchen wir noch einen weiteren Tag, bis wir über den kurvenreichen Captain Cook Highway mit traumhaften Küstenausblicken Port Douglas erreichen. Scheinbar haben wir genug Stadtluft geschnuppert, denn hier gefällt es uns auch nicht wirklich. Also radeln wir nach einem kurzen Mittagsstopp noch ein Stückchen weiter Richtung Norden und am nächsten Tag erreichen wir dann endlich den Daintree River. Nach der obligatorischen Bootstour mit immerhin einer Krokodilsichtung, queren wir per Fähre in den Daintree National Park. Uns erwartet schwüle Hitze und ein knackiger Anstieg, der mit einem tollen Ausblick über die Daintree-Flussmündung belohnt wird. Weiter geht´s auf kurviger Straße durch sagenhaften Regenwald und wieder einmal sind wir sehr froh, keinen Mietwagen genommen zu haben. Wir erreichen das Cape Tribulation, unseren nördlichsten Punkt an der australischen Ostküste. Auch wenn es hier touristisch deutlich erschlossener ist als wir gedacht hatten, der Regenwald ist einfach unbeschreiblich. Die Vielfalt der sich ineinander verschlingenden Pflanzen, die auf unterschiedlichen Ebenen mit verschiedenartigsten Tricks und Kniffen um ein wenig Sonnenlicht wetteifern, lässt sich kaum mit Worten beschreiben oder in Bildern einfangen. Das muss man einfach sehen, fühlen und riechen. Um etwas mehr über diese faszinierende Natur zu erfahren, machen wir am Abend eine geführte Regenwaldwanderung mit. Ja, wir sehen ein paar große Spinnen, doch erfahren wir auch, dass es hier nichts gibt, was einen wirklich umbringt. Abgesehen von den Krokodilen und möglicherweise umstürzenden Bäumen.

Heute früh sind wir dann noch durch den Regenwald „gesurft“ – Seilrutschen wie im Hochseilgarten, von Plattform zu Plattform. Regenwald einmal ganz anders…

Viel hätten wir uns noch ansehen können an der Ostküste – so viele schöne Strände, Schluchten, Wasserfälle, Wanderwege, Städtchen und Ortschaften, Inseln und Schnorchelmöglichkeiten. Doch wir haben nur ein Jahr für dieses riesige Land. Als wir an einer roten Ampel in Brisbane mit einem Radfahrer ins Gespräch kamen und von unserer Australienumrundung erzählten, fragte er mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen: „How many lifetimes will you spend?“ Zu Deutsch: „Wie viele Leben habt ihr dafür eingeplant?“ Nicht einmal eines…

Daher geht es morgen wieder rauf auf´s Rad und es beginnt sozusagen ein neuer Abschnitt unserer Tour: Wir drehen um und fahren zum ersten Mal in Richtung Süden. Allerdings nur kurz. Wir haben uns entschlossen nicht nach Townsville zurück zu fahren, sondern in knapp 70 km in die Atherton Tablelands abzubiegen und die Bergkette der Great Dividing Range bereits bei Mossman zu erklimmen. Anstatt dem Overlander´s Way werden wir also den Savannah Way nehmen. Nächstes großes Ziel in etwa 1.300 Kilometern: Mount Isa.

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Bowen bis Cape Tribulation: 881 km – macht 3801 km

  1. Wow – das sind ja Strecken, die ihr da grade meistert! Wenn ich da an unsere schon lange verstrichenen Motorradtouren denke, kann man zumindest das Streckenverhältnis erahnen und wie es ist so viel Zeit im Sattel zu sitzen. Hochleistung! Dann gönnt euch erstmal die mehr als verdiente Pause 🙂 LG Yvonne

  2. Finally we have reached the end of your ‚blog‘.I wanted to read it all before I wrote. The translation is awkward to read but I love the words: it’s like I can hear you speaking them!
    You certainly are getting the best of the tourist experiences. So glad you chose the activities you did,as they reveal the very beauty of our coastline.Many Australians will never have those experiences: congratulations for being such wise travellers.
    You knew it would be HOT!
    Now you’re heading inland. That will present new challenges.I anticipate more stories.This summer has been awful: great rainfall on the coast,and excessive humidity.Lots of insects.
    Stay well and keep pedalling.
    We think of you both constantly.Your postcard arrived last week,your photo is decorating our refridgerator!
    Love from Rhonda and Graeme

  3. Hallo Ihr zwei Lieben, wir freuen uns, dass Ihr Euch nach den Strapazen eine kleine Pause gönnt und anscheinend eine gute Bleibe gefunden habt – die Touren gehen ja schon fast an die Grenzen des Möglichen. Wir wünschen Euch eine gute Erholung und demnächst den „richtigen“ Wind. – Wir sind wohlbehalten und begeistert von unserer Assisi-Reise zurück. In unserem Hotel trafen wir auf einige Radler, denen wir Eure Info-Karte gaben. Es stellte sich heraus, dass einer von ihnen aus Australien-Nähe Sydney- kam. Eure Tour würde er wohl nicht machen !! Für heute liebe Grüße und weiterhin alles Gute.

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