Die ersten Tage auf dem Rad

Nun sitzen wir hier in einem netten Städtchen Namens Forster und legen unseren ersten Pausentag nach sechs Fahrtagen und 332 km ein. Aber der Reihe nach: Wir starten in Sydney an einem wolkenverhangenen Dienstagmorgen und freuen uns auf unsere Verabredung mit der Journalistin Barbara in dem Stadtteil Manly, die mit uns ein Interview für einen deutschsprachigen Radiosender in Australien machen möchte. Wir haben die Tage vorher schon ausgekundschaftet, wie wir am besten auf die Harbour-Bridge kommen, wir möchten nämlich mit dem Fahrrad als besonderes Erlebnis über diese Brücke fahren. Die Recherche hat ergeben, dass wir einen Aufzug benutzen können, der uns zu einem Fußweg bringt, der wiederum uns direkt zur Brücke führt. Zuvor machen wir noch an unserem offiziellen Startpunkt ein Foto – vor der Opera, mit der Harbour-Bridge – hier wollen wir in gut einem Jahr wieder stehen!
Los geht´s, mit den Rädern zum Aufzug, dieser ist wegen Wartungsarbeiten ausgerechnet heute außer Betrieb. Plan B ist nun, mit den Rädern durch die Stadt. Im Stadtverkehr fallen wir schließlich einem netten LKW- Fahrer auf, der uns anbietet, langsam vor uns her zu fahren, bis wir auf die Brücke kommen. Gesagt, getan, in der hügeligen Stadt brettert er vor uns her und wir versuchen, immer wieder aufzuschließen. Wir gelangen tatsächlich zur Brücke und verlassen Sydney über dieses historische Wahrzeichen. Was sich aber jetzt schon abzeichnet: Die Räder sind verdammt schwer, es ist sehr warm und die Gegend um die Stadt ist gelinde ausgedrückt sehr hügelig. Völlig verschwitzt und ausgepowert kommen wir zum vereinbarten Interview mit Barbara. Sie serviert uns erst mal kalte Getränke und führt mit uns das Interview durch. Es wird Anfang Februar ausgestrahlt, den Link hierzu geben wir dann durch. Die Fahrt geht dann noch ebenso hügelig weiter und schließlich haben wir am Ende des Fahrtages knapp 40 km und 641 Höhenmeter auf dem Zähler. Wir übernachten auf einem Campingplatz und starten am nächsten Morgen in Richtung Bateau Bay, wo wir Tom und Gaye treffen wollen. Tom und Gaye hatten wir im September 2014 in Friedrichshafen kennen gelernt und erhielten damals spontan eine Einladung, nachdem Sie von unseren Plänen erfahren hatten.
Der zweite Fahrtag erweist sich als ähnlich herausfordernd wie der erste, mit dem Unterschied, dass das Thermometer bis auf 36 Grad klettert. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön, von Palm Beach in das nördlich gelegene Wagstaff nehmen wir die Fähre um die Bucht zu überbrücken. Bei unserer Mittagspause in Wagstaff erfahren wir von einem netten Australier, dass wir eher an einer anderen Station hätten aussteigen sollen, um „weniger hügelig“ nach Bateau Bay zu kommen. Da die nächste Fährte erst in eineinhalb Stunden geht, wählen wir „hügelig“. Als wir bei Tom und Gaye ankommen, freuen wir uns über den erfrischenden Pool genauso wie über das leckere Abendessen und den schönen Abend, den wir zusammen genießen. Tom, der ein leidenschaftlicher Radfahrer ist, fährt mit uns am nächsten Tag die Etappe bis zu unserem Camp im Munmorah Nationalpark. Auch mal schön, sich nicht um die Navigation kümmern zu müssen. Unser Zelt steht inmitten der Natur, neben unserem Zelt klettert ein Varan von ca. einen Meter Länge auf einen Baum. Als wir am nächsten Tag aufbrechen, wissen wir noch nicht, dass wir eine „Mega“- Etappe fahren werden. Die Strecke führt uns oft an der Nationalstraße entlang, dies hat den Vorteil, dass wir sehr gut vorwärts kommen, allerdings ist es auch recht nervig, sich ständig auf der vielbefahrenen Straße als Radfahrer zu bewegen. Uns fällt auf, dass die Autofahrer sehr zuvorkommend und rücksichtsvoll mit uns umgehen, das gibt uns ein gutes Gefühl. Generell fällt uns auf, dass wir mit unseren bepackten Rädern ausschließlich positive Reaktionen auslösen, bei Stopps wird uns oft die Frage nach dem woher und wohin gestellt. Als wir gegen Abend einen Übernachtungsplatz suchen, fragen wir einen Mann, ob es denn hier in der Nähe einen geeigneten Platz gäbe. Spontan bietet uns der Mann – Jim wie sich später herausstellt- einen Platz für unser Zelt auf seiner Wiese vor dem Haus an. Wir lernen seine Frau Kate und den Sohn Matt kennen, es wird uns angeboten, das Bad und die Dusche zu benutzen und wir werden zum Abendessen eingeladen. Die Gastfreundschaft der Australier verblüfft uns immer wieder. Wie wäre es in Deutschland? Würden wir einfach so fremde Menschen nach Hause einladen und diese so gastfreundlich bewirten? Es wird ein sehr schöner Abend, mit guten Gesprächen und wir erfahren viel über Land und Leute. Am nächsten Morgen nach dem gemeinsamen Frühstück fahren wir mit der Gewissheit, neue Freundschaft geschlossen zu haben und sehr warmherzige Menschen getroffen zu haben. Es folgen zwei Fahrtage durch weiterhin schöner Küstenlandschaft, teilweise auf kleinen Nebenstrecken, 20 km legen wir auf einem Trail im Naturschutzgebiet zurück, teilweise neben der Nationalstraße. Schließlich erreichen wir Forster, wo wir einen Pausentag einlegen. Eines ist uns jetzt schon bewußt: Wasser. Der Umgang mit diesem wertvollen Gut ist in der Tat sehr gegenwärtig. Bei Fahrtagen ist ein Verbrauch von bis zu 1,5 l je 20 km durchaus eine Zahl, die sich als realistisch erweist.

5 Gedanken zu „Die ersten Tage auf dem Rad

  1. Hallo Uwe und Nicole,
    es ist wieder mal schön eure wunderbare Reise auf diesem Weg zu begleiten.
    Freue mich immer auf die Einträge und nätürlich auf die schönen Bilder. Geniesst weiterhin die Tour und vor allem das warme Wetter.

    Ganz liebe Grüße

    Petra

  2. Hallo Ihr Lieben,
    Es ist ein Genuß das zu lesen und ich freu
    mich sehr darüber. Bin sehr gespannt auf
    den nächsten Eintrag.
    Lg und bis bald

  3. Hallo ihr Beiden, hat ein paar Tage gedauert, bis mir euer blog eingefallen ist… und ich merke schon jetzt, dass mich beim lesen wohl immer wieder einmal Heimweh ueberkommen wird… was ihr da beschreibt ist das Australien, das auch ich liebe 🙂
    habe eine Email an den Freund in Brisbane geschrieben (Gordon) und ihm eure emailadresse geschrieben, werde auch karifa angeben, aber so gut ist sein deutsch wohl nicht 😉 und bei Eurem Interview ist mir eine Facebookgruppe eingefallen, bei der ich bin mit Deutschen in Australien. Bei Interesse bitte melden, dann kann ich euch da einladen, ist geschlossen. Da koennten auch einige dabei sein, die eure Tour interessant finden und euch einladen oder unterstuetzen oder Artikel schreiben oder… oder…
    Fuehlt euch gaaaanz lieb gedrueckt und schickt mal ein paar Sonnenstrahlen, wenn’s geht – lustig, jetzt mal andersherum 🙂

  4. Hallo ihr zwei Abenteurer,verfolge mit Spannung eure Berichte und ich muss
    sagen,bis jetzt möchte ich noch mit euch tauschen!
    Toller Strand,blauer Himmel alles schön grün und 36° und hier,
    grau,grau und kalt,da kommt schon ein bisschen Neid auf!
    Aber, ich gönn es euch.
    Schön zu sehen,dass der roten Faden euch begleitet.
    Wünsche euch gutes weiterradeln und gebt auf euch acht!
    Bis bald mal wieder!
    Liebe Grüße,Gabi

  5. Liebe Nicole, lieber Uwe,
    danke für Euren lebendigen Bericht. – Da fällt es leicht, Euch gedanklich zu begleiten.
    Ich schicke Euch eine „große Umarmung“ und wünsche Euch weiterhin viel Spass und so tolle Begegnungen.
    Herzlichen Gruß
    Christina

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