Viel feucht, doch auch etwas fröhlich… – 698 km seit Sydney

Aus dem einen Pausentag in Forster werden unplanmäßig zwei, denn als wir gerade unser Zelt zusammengepackt haben, entladen sich die über uns hängenden grauen Wolken in einem Platzregen. Nachdem wir etwa 2 Stunden vergebens auf ein Nachlassen der von oben herabstürzenden Wassermengen gehofft haben und das uns empfohlene super-duper Wetter-App keinerlei Besserung für diesen Tag vorhersagt, entscheiden wir uns für Plan B: Maria von der Touristinfo in Forster zaubert uns eine nette kleine „Unit“ herbei, in der es ein Schlafzimmer, eine Küche mit Essbereich und ein Badezimmer gibt – so viel Platz und nur für uns! Als am Nachmittag entgegen allen Erwartungen der Himmel wieder aufzieht, sehen wir auf einem kurzen Abstecher an den Creek – so etwas wie eine Flussmündung, Delfine unter der Brücke hindurchschwimmen. Ein schönes Geschenk!

Wir nutzen den Tag zusätzlicher Pause zum Ausmisten. Wir haben zu viel Zeug im Gepäck. Auch wenn ich unbedingt zu den Radelreisenden zählen wollte, die nichts nach Hause schicken, bringen wir ein Paket mit stolzen 4,5 kg auf die Post. Darin ist u.a. ein gutes, aber viel zu schweres Fernglas für die Wale, die wir ohnehin frühestens in einem halben Jahr zu sehen bekommen und ein Stativ, das wir seinerzeit auf dem Mercado in Addis Ababa gekauft hatten. Aber da hatten wir auch ein großes großes Auto dabei… Doch aus emotionalen Gründen können wir es nicht einfach so entsorgen, es muss heim. Das Flora- und Fauna-Buch ist zwar auch recht gewichtig, doch haben wir es in den paar Tagen, die wir jetzt unterwegs sind, immer mal wieder zur Hand genommen. Zum Beispiel gleich in Sydney, als allabendlich eine ganze Schar Flying Foxes – riesige Flughunde – die wohl sehr schmackhaften Figtrees am Campsite aufgesucht hat. Ein sehr beeindruckendes und auch geräuschvolles Schauspiel.

Deutlich erleichtert geht es weiter in Richtung Norden. Wir radeln ein ganzes Stück den Pacific Highway entlang, auf dessen gutem Asphalt wir zügig vorankommen. Trotz dem nun leichteren Gepäck merkt man den Unterschied der verschiedenen Straßenoberflächen deutlich in den Beinen und an der Geschwindigkeit. Mittags mal wieder ein Regenschauer – glücklicherweise auch gerade eine Brücke zum Unterstellen – und auch der nächste Tag ist regenreich. Wer hätte gedacht, dass es in Australien so viel und so heftig regnet. Das Zelt konnten wir gerade noch halbwegs trocken verstauen, doch nach 3 ½ Stunden und guten 50 km im strömenden Regen entscheiden wir uns in Port Macquarie angekommen, doch lieber für ein trockenes Motel-Zimmer mit heißer Dusche und genügend Platz zum Trocknen der tropfnassen Klamotten. Zumindest die Packtaschen halten ihr Versprechen der Wasserdichtigkeit, doch irgendwie fühlen wir uns wettertechnisch ausgebremst. Die dicken Regenwolken bleiben und so bleiben auch wir noch einen weiteren Tag im Motel-Zimmer. Die Regenpause nutzen wir, um dem ortsansässigen Koala-Hospital einen Besuch abzustatten und erfahren bei einer Führung viel über die pelzigen „Faultiere“, die von den täglichen 24 Stunden etwa 19 Stunden nahezu regungslos verbringen, da die aus Eukalyptus bestehende Nahrung einfach nicht mehr Energie liefert. Im Hospital werden vor allem im Straßenverkehr und durch Hunde verletzte Koalas – das sind allein in dieser Region zwischen 200 und 300 Tieren pro Jahr – medizinisch versorgt und nach ihrer vollständigen Genesung wieder ausgesetzt. Die Arbeit des Hospitals macht einen sehr fürsorglichen, aber vor allem respektvollen Eindruck, denn der Kontakt zwischen Mensch und Tier bleibt auf das gerade Notwendigste beschränkt, um das Auswildern der Koalas nicht zu gefährden. Wir erfahren noch so allerlei Interessantes, so etwa, dass Koalas nur 60 der insgesamt 700 verschiedenen Eukalyptusarten fressen, 30 bis 40 m hoch klettern und im Gegensatz zum Menschen in jungen Jahren grau sind und erst im Alter ein braunes Fell bekommen.

Am kommenden Tag macht der Regen eine Pause und der beginnende Morgen verspricht einen heißen Tag. Das Thermometer zeigt um 10:00 Uhr bereits 34,5 Grad an, um 10:30 Uhr sind es dann schon 37° und am Mittag über 40°. Ganz schön heiß zum Radeln, doch besser als Regen. Der lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Wir haben uns entschlossen, einen kleinen Abstecher von der Küste zu machen und über das nette Städtchen Bellingen den Waterfall Way hinauf bis zum Dorrigo National Park zu fahren. Dieser liegt an der Great Dividing Range, der östlichen Gebirgskette und wartet mit einem kleinen Fleckchen subtropischem Regenwald auf, der nur noch 3% der Gesamtfläche Australiens einnimmt und daher als World Heritage Area unter dem Schutz der UNESCO steht. Doch was wäre ein Regenwald ohne Regen. So haben wir gerade mal die Hälfte des wirklich knackigen Anstiegs mit unseren voll bepackten Rädern geschafft, als sich die Himmelschleusen wieder öffnen. So sind wir froh, dass sich auch in dem kleinen, aber durchaus lebendigen Örtchen namens Dorrigo ein trockenes Motel-Zimmer mit heißer Dusche und genügend Raum zum trockenen unserer mal wieder völlig durchnässten Sachen findet. Das hatten wir uns ehrlich gesagt nun doch alles etwas anders vorgestellt. Da der Regen auch am folgenden Tag nicht nachgeben will, geben wir nach und radeln in ihm zum National Park um im Rainforest, dem Wald der seinem Namen alle Ehre erweist, zu wandern. Die Runde bleibt jedoch klein, da uns die ebenfalls kleinen, aber doch sehr hartnäckigen Blutegel zu sehr zu mögen scheinen. Sie sind zwar mehr oder weniger harmlos, doch wenn sich pro Schuh 3-4 solcher Plagegeister langsam an einem hocharbeiten, ist der Blick mehr auf den Boden als auf die gigantische Kulisse des Regenwaldes gerichtet. Dennoch sind wir tief beeindruckt von dieser sagenhaften Natur und hoffen, dass niemand mehr Gartenmöbel aus Tropenholz kaufen wird.

Was gab es sonst noch? Nach inzwischen schon drei toten und obendrein übelriechenden Kängurus, die einen gleich mal etwas kräftiger in die Pedalen treten lassen um schneller weg zu kommen, haben wir endlich auch die ersten lebenden gesehen! Da hoppelte etwas durch´s Feld, das im ersten Moment wie ein Golden Retriever aussah. Doch irgendetwas stimmte nicht. So springt kein Hund. Nein, so springt nur ein Känguru!

Und dann waren da noch die Scharen von bunten Papageien, die sich in der Abenddämmerung laut schnatternd in den Palmen von Port Macquarie versammelten, gefolgt von Hunderten von Flying Foxes, die auf dem Weg zu ihren nächtlichen Futterplätzen über die Stadt hinwegzogen.

Soviel aus dem Regen. Der soll auch morgen nicht nachlassen, doch wir wollen weiter. Hoffentlich wartet am Ende des Tages eine sonnige Überraschung auf uns – oder eben nochmal ein trockenes Motel-Zimmer…

Und zu guter Letzt wollen wir die Gelegenheit nutzen, uns für all die netten Kommentare und mails zu bedanken, die uns erreichen und uns sehr freuen, auch wenn wir nicht immer im Einzelnen darauf antworten [können]!

 

 

3 Gedanken zu „Viel feucht, doch auch etwas fröhlich… – 698 km seit Sydney

  1. Sehr tapfer, bis hoch nach Dorrigo! Well done. Lustig ist: in deutschland glaubt einem nie jemand , wenn man erzählt, dass es hier zuweilen kleine Sintfluten gibt … Als sei das ein deutsches privileg

    • … ah, die Hälfte meines kleinen Kommentars hat das System verschluckt: Lasst euch vom Nass den Spass nicht verderben, take it easy, gönnt den Muskeln mal eine Pause und alles Gute für euren enormen Trip (die meisten Australier brauchen schon für die Umrundung im Auto ca 1 Jahr …)! Toi toi toi. jj

  2. Wow – da habt Ihr aber mächtig in die Pedalen getreten – 1023 km
    im Januar ! – und das im Regen und bei vielen Steigungen –
    alle Achtung! Da wollen wir nun die Spendensumme wenigstens auch ein bisschen verändern – damit es nicht so lange bei den Nullen bleibt !
    Liebe Grüße Gisela und Theo

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