Rainbow Beach bis Heron Island – 2178 km

Fraser Island. Die größte Sandinsel der Welt, steht seit Beendigung der kommerziellen Nutzung durch Holzabbau und Mining im Jahr 1992 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der Unseco. Lange haben wir recherchiert, hin und her überlegt, Leute befragt und uns den Kopf zerbrochen, wie wir es anstellen könnten, die Inselbesichtigung in unsere Tour zu integrieren. Die Idee war, die Insel mitsamt den Rädern vom südlichsten Punkt aus per Fähre zu erreichen, unsere Tour die Insel durchquerend fortzusetzen, um dann ebenfalls per Fähre auf der anderen Seite der Insel wieder auf´s Festland zu gelangen. Doch wie gesagt, Fraser Island ist eine sandige Angelegenheit und die Aussagen, die auf unsere vielfältigen Fragen folgten, lassen uns von unserem Vorhaben Abstand nehmen. Stattdessen buchen wir eine Tagestour und sind bereits beim Erreichen der kleinen Fähre sehr froh über diese Entscheidung. Schon das Entern der Fähre wäre eine tiefsandige und salzwasserreiche Herausforderung für uns und die Räder geworden, die die Räder sicherlich nicht sonderlich zu schätzen gewusst hätten. Stattdessen können wir uns nun einfach bequem im Tourbus zurücklehnen und uns chauffieren lassen. Auch mal eine nette Abwechslung. Die Tour geht über Wellblechpisten, Strandabschnitte und Tiefsandpassagen ins Landesinnere, zu einem der zahlreichen Süßwasserseen, durch verschiedene Regenwaldzonen hin zu einem beeindruckenden Regenwaldrundweg. Mittagessen inklusive. Das Timing unseres Fahrers ist hervorragend. Es regnet immer wieder kräftig, doch sobald wir eine der Inselattraktionen erreichen – unter anderem auch einen der vielen Süßwasserbäche, die sich vom Inselinneren bis hin zum Strand schlängeln um ins Meer zu münden, schenkt uns der Wettergott immer wieder eine Regenpause. Auf dem Weg zurück zur Fähre – 80 km den Strand entlang, der auf Fraser Island bei Ebbe als Highway und Flugzeugpiste zugleich dient – gibt es keine Gnade mehr. Es schüttet und windet und wir sind einmal mehr froh über die Entscheidung, unsere Tour nicht per Rad über die Insel fortgesetzt zu haben. Das Einzige was wir etwas bedauern ist, dass wir trotz der auf Fraser Island beheimateten großen Population an Dingos, keinen einzigen der hier lebenden australischen Wildhunde zu sehen bekommen. Dabei hätten wir so gerne noch einmal die Ähnlichkeit zu unserem Diego überprüft…

Warten auf den Zyklon. Auf dem Rückweg zum Festland erfahren wir von unserm Tourguide, dass auch unser Timing ganz gut war: Wegen „Schlechtwetter“ sind sämtliche Inseltouren der folgenden Tage gestrichen. Schlechtwetter bedeutet in diesem Fall, dass ein Zyklon im Anmarsch ist. Wir hatten von den für diese Jahreszeit und diese Region Australiens nicht unüblichen Wetterverhältnissen schon mehrfach gehört. Zumeist, wenn wir auf die häufige Frage nach dem „woher und wohin“ erklärt haben, dass wir in Sydney gestartet sind und Richtung Norden fahren. Nun ist es also so weit. Ein Zyklon. Was genau das bedeutet ist uns noch nicht so klar und so fragen wir nach: Am Campsite, an der Tankstelle, am Supermarkt. Wir erhalten überall die einhellige Auskunft, dass es besser sei, wir würden den Zyklon hier in Rainbow Beach abwarten. So halten wir es auch. Ein ganzer Tag und eine ganze Nacht starker Regen, gepaart mit einigen heftigen Windböen. Unser Zelt hält tapfer durch. Am Morgen ist es dann trocken und wir denken: Glück gehabt, so schlimm war´s doch gar nicht. Doch die Zeitungen und die Camprezeption melden, dass der Zyklon noch nicht vorbei ist und von Stufe 3 auf Stufe 5, was der höchsten Stufe entspricht, hochgesetzt wurde und deutlich langsamer zieht, als prognostiziert worden war. Es heißt also weiterhin Abwarten. Zwar erscheint hier alles friedlich, doch hängt eine nicht unbedingt Gutes verheißende Stimmung in der Luft. Als wir mitbekommen, dass benachbarte Camper von ihrem Wohnmobil vorsichtshalber in einen Bungalow umsiedeln, sind wir etwas irritiert. Wie schlimm wird es denn nun? Der Tag vergeht in schwüler Hitze, kein Wölkchen am Himmel und allein vom Dasitzen rinnt schon der Schweiß. Nachts dann nochmal Regen und einige wirklich heftige Windböen. Der Wind hält auch am Morgen an, doch wir erfahren, dass der Zyklon vorbeigezogen ist und insbesondere nördlich von uns einiges an Verwüstungen hinterlassen hat. Es war also wirklich sinnig, hier auszuharren und abzuwarten. Wir packen zusammen und machen uns gegen Mittag, als sich der Wind etwas legt, auf den Weg. Es geht über Maryborough und Childers, zwei Städten mit hübschen Häusern aus der Gründerzeit Australiens weiter in Richtung Bundaberg. Und nach zweieinhalb Fahrtagen schlägt uns Zyklon Marcia dann doch noch ein Schnäppchen: Unser Weg abseits der Hauptstraße führt – was wir nicht weiter beachtet haben – durch einen Wasserlauf, einen sogenannten Creek. Normalerweise kein Problem, da die Straße trocken passierbar ist. Doch nach den starken Regengüssen der letzten Tage steht da plötzlich diese Schild auf der Straße: „Road closed – due to flooding“. Was nun? Wir fragen uns durch und erhalten verschiedene Meinungen: „Ja, die Straße ist wirklich zu, da kommt ihr nicht durch.“ „Ach, ich glaube nicht, dass da noch Wasser ist. Versucht es einfach. Sind nur 6 km bis dort, sonst dreht ihr eben um.“ „Nein. Geht nicht, ihr könnt so und so und so fahren. Ist kaum ein Umweg.“ „Nein, nehmt lieber diese Straße, da kommt Ihr auf den Highway.“ Da wollen wir aber nicht unbedingt hin, deshalb haben wir ja die Nebenstraße genommen. Also probieren wir´s. Und kommen nicht durch. Die Skala am Straßenrand zeigt einen Wasserstand von 1,2 m an. Also fahren wir die 6 km wieder zurück – gegen den Wind und bergauf natürlich, wie könnte es anders sein – und schlagen den empfohlenen Alternativweg ein. Die Stimmung sinkt. Es ist warm, wir haben bereits zwei anstrengende und lange Fahrtage durch hügelige Landschaft hinter uns und wollten heute eigentlich nur noch die überschaubaren 57 km bis Bundaberg zurücklegen. Dank dem nun folgenden Umweg, der ja eigentlich keiner sein sollte, haben wir abends doch wieder 86 km auf dem Tacho. Einzig lohnenswert ist die Begegnung mit einem Farmer, der uns am Feldrand erklärt, dass die merkwürdigen Pflanzen die wir so gar nicht einzuordnen wissen, Erdnüsse produzieren. Und Sojapflanzen bekommen wir auch noch gezeigt. Wir lernen, dass sich diese beiden Saaten aufgrund ihres reichen Nitratgehaltes besonders gut eignen, um die Zuckerrohrfelder im entsprechenden Anbaurhythmus wieder zu revitalisieren. Und Zuckerrohrfelder hat es hier bis zum Abwinken.

Bundaberg und die Turtels. Bundaberg ist eine angenehme Stadt und mit ihren etwa 50.000 Einwohnern überschaubar und doch lebendig. Von hier aus sind es etwa 10 km bis zum Strand, der zu dieser Jahreszeit ein besonderes Naturschauspiel bereit hält. Wir buchen eine von Rangern angeleitete Führung am Mon Repos Beach, einem Strandabschnitt, an dem Schildkröten ihre Eier legen und nach etwa 8 Wochen entsprechend die Jungtiere schlüpfen. Wir haben Glück, denn zuweilen sind die Touren auf Tage hinweg ausgebucht und man bekommt keine Tickets mehr. Doch heute Abend ist es verhältnismäßig ruhig und beginnend mit Sonnenuntergang warten nur zwei statt der üblichen fünf Besuchergruppen mit Spannung auf die Geschehnisse am Strand. Warten heißt, man kann im informativen Besucherzentrum in die faszinierende Welt der Schildkröten eintauchen, sich Filme ansehen und darauf hoffen, dass sich währenddessen am Strand etwas tut. Dann wird eine der wartenden Besuchergruppen zusammengerufen und unter der Aufsicht eines Rangers an den Strand geleitet. Wir müssen nicht lange warten. Die Schildkröten eines Nestes beginnen zu schlüpfen und wir sind gerührt und fasziniert, wie sich diese winzigen Lebewesen mit einer Größe von etwa 5 cm aus der Erde empor schaffen und über den Strand robben. Und es sind viele. Bis zu 120 Eier werden von den Muttertieren pro Nest gelegt und das 3 bis 4 mal pro Saison, dafür aber nur alle 3 Jahre. Wir erfahren noch so einiges mehr, dürfen ein paar der Schützlinge aus der Nähe bestaunen und schließlich zusehen, wie sie sich wagemutig ins Meer und damit ins Leben stürzen. Wenn sie es schaffen, was nur einem von 1.000 Tieren gelingt, kehren sie dann nach 30 Jahren als ausgewachsene Schildkröte mit einer Panzerlänge von etwa 1 m wieder an den Ort zurück, wo sie einst geschlüpft sind, um dann selbst Eier zu legen.

Heron Island: Stramme Fahrtage bis zum Paradies. Bundaberg befindet sich in etwa auf gleicher Höhe wie das südliche Ende des berühmten Great Barrier Reef. Und das wollen wir natürlich mit eigenen Augen sehen. Es stehen verschiedene Inseln zur Auswahl, die sich in dieser Region vor allem dadurch auszeichnen, dass sie reine Koralleninseln sind. Das heißt, sie sind ausschließlich aus aufgeschwemmten Korallen entstanden. Wir wissen nicht so recht für welche der Inseln wir uns entscheiden sollen. Auf Lady Musgrave kann man eigentlich Campen, doch wie die Anfrage beim Department of Environment ergibt, jetzt gerade leider nicht. Vermutlich wegen der Schildkröten die gerade schlüpfen. Damit bleibt für diese Insel nur ein Tagesausflug, der uns aber zu heikel ist, da der Weg weit und wir beide nicht besonders seetauglich sind. Daher entscheiden wir uns für Lady Elliot, die man ausschließlich per Flugzeug binnen 25 Minuten erreichen kann. Als wir buchen wollen gibt es jedoch keine freien Rückflüge mehr. Also kommt die letzte Variante ins Spiel: Heron Island. Hatten wir eigentlich „aussortiert“, da das Übersetzen auf die 80 km vor dem Festland gelegene Insel zwei Stunden Fahrzeit per Boot beansprucht und wir viele Horrormeldungen von zumeist hohem Seegang gelesen haben. Selbst im Werbeflyer wird zur Einnahme von Reisetabletten geraten – egal bei welchem Wetter. Nun gut, es ist wie es ist, wir werden es schon irgendwie überstehen. Die Buchungsanfrage ergibt, dass uns genau zwei Tage für die 195 km bis nach Gladstone bleiben, von wo das Boot starten wird. So heißt es für diesen Abend noch schnell einkaufen, damit wir morgen in aller Frühe startklar sind. Nach wenig Schlaf – den benachbarten Campern aus Frankreich sei Dank – machen wir uns auf den Weg. Die Strecke ist mal wieder hügelig, doch recht gut zu fahren. Wir wollen heute unbedingt schon den Großteil der Etappe hinter uns bringen, damit wir morgen auch zeitig unser Ziel erreichen. Nach 125 km – unserem bisherigen Rekord – erreichen wir halbwegs erschöpft ein Roadhouse am Highway, an dem man auch campen kann. An Tag zwei sind wir froh, dass wir schon so viel der Strecke hinter uns gebracht haben. Und die Aussicht auf ein paar Tage Inselleben lassen die Kilometer schnell vergehen. Wir erreichen das Backpacker Gladstone: Ein kleines Doppelzimmer, die Möglichkeit unsere Räder sicher unterzustellen und ein kostenloser Transfer zur Ferry am nächsten Morgen. Und wir haben Glück: Die See ist spiegelglatt. So macht es auch nichts, dass die eigentlichere Fähre mit Motorschaden im Hafen verbleibt und wir auf ein noch kleineres Bötchen umsteigen müssen, dass anstelle der 2 eben 2 ½ Stunden fährt. Und irgendwann taucht sie dann am Horizont auf: Heron Island – Willkommen im Paradies! Eine kleine bewaldete Insel, umsäumt von weißem Strand aus pulverisierten Korallen. Türkisfarbenes Wasser, schon vom Boot aus sieht man Rochen, Riffhaie und zahlreiche andere kleine und große Fische. Wir sind gleich fasziniert und kommen aus dem Staunen kaum heraus. Eine schöne Anlage inmitten der Bäume, viele viele viele ! Vögel, schnorcheln vom Strand aus und mal wieder perfektes Timing: Die Gezeiten liegen gerade so, dass wir morgens und abends schnorcheln können und der Mond ist fast voll, so dass wir am zweiten Abend nach Dämmerung immer noch genügend sehen können, als sich eine der großen Meeresschildkröten den Strand hinauf kämpft, um ihre Eier abzulegen. Wir sind sehr dankbar, dass wir dies alles erleben dürfen. Und leider liegt gerade nichts ferner als Fahrradfahren – auch wenn wir mit unseren halb-braunen Beinen und Armen ein lustiges Bild beim Schnorcheln abgeben. Wir realisieren, dass nun die Etappen beginnen werden, die da heißen: Radeln, radeln und noch mehr radeln. Die Abstände zwischen den einzelnen „Sehenswürdigkeiten“ werden nun immer größer und die Strecken, über die die meisten Autofahrer sagen, dass sie sich einfach nur ziehen, langweilig und eintönig sind, werden nun kommen. Da freuen wir uns umso mehr über die „Rückenwind-Spende“ von Harald aus Höchst, die uns heute erreicht hat. Vielen Dank – natürlich auch allen anderen Spendern! Inzwischen sind wir aus dem Paradies vertrieben und nach Wäsche waschen, Fahrradwartung, Einkaufen und Bericht schreiben heißt es dann morgen wieder rauf auf´s Rad. Bis nach Airlie Beach, unserem nächsten Ziel mit etwas Aufenthalt, liegen in etwa 600 km vor uns.

 

 

 

 

5 Gedanken zu „Rainbow Beach bis Heron Island – 2178 km

  1. DANKE, für den tollen Bericht und die tollen faszinierenden Bilder unter und über Wasser. Lasst es euch gut gehen und denkt ab und zu mal KURZ an daheim. Freue mich schon auf die nächsten Berichte und Bilder bis dann lg

  2. Oh, da kommt ja direkt Heimweh auf… so ein schoenes Fleckchen Erde 🙂 Dank euch fuer die tollen Berichte, jedesmal ein kleiner Urlaub… ich hab uebrigens ein Bild von nem Dingo, wir haben sie damals an dem Suesswassersee gesehen, Lake Mackenzie, oder so? Aber im Original sehen ist vermutlich was anderes. Weiter so, das macht auch von hier Spass 🙂

  3. Habe gerade Gelesen das ihr on Fraser island wart,schade das ich es nicht eher wusste,sonst haettet ihr bei uns bleiben koennen,wohnen in Hervey bay,sind Freunde mit Erich und roswitha aus Hoechst.Hoffa ihr habit a save trip, take care.

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