Die Magrietjies

Wir sind in Naboomspruit oder besser gesagt in Mookgophong, wie die nette Kleinstadt in Südafrikas Norden nun seit einigen Jahren heißt. Da ist sie wieder, die doppelte Welt. Weißer Name, schwarzer Name, gleiche Bedeutung. Ähnlich wie Chemnitz und Karl-Marx-Stadt? Vielleicht auch anders. Wir sind hier, um unseren Freund Lodie zu besuchen, wir hatten uns auf unserer Transafrikareise 2008 in Äthiopien kennen gelernt. Lodie fuhr auch von Deutschland nach Südafrika, mit seinem Motorrad. Obwohl wir uns sehr freuen, Lodie wieder zu sehen, so schwingt doch etwas Beklemmung mit, denn wir wissen seit einiger Zeit, dass Lodie Krebs hat. Nur, wie geht man damit um, als Besucher? Unsere Bedenken lösen sich sogleich in Luft auf, als wir ankommen und uns so herzlich begrüßen als wären zwischen unserem Wiedersehen nur Wochen und nicht Jahre vergangen.

Wir erleben einen schönen Nachmittag und Abend mit Lodie und seiner Schwester Ina, die zur Zeit ihren Bruder besucht und normalerweise in den Staaten lebt. Am nächsten Vormittag können wir erleben, was soziales Engagement bedeuten kann: Nachdem Lodie von seiner Krankheit erfuhr, kam er in Kontakt mit den „Magrietjies“. Eine ehrenamtliche Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, krebserkrankte Menschen zu begleiten, zu helfen, zur Seite zu Stehen und zu Pflegen. Nun lebt Lodie schon viele Jahre in der Stadt und erfuhr erst jetzt von den Leistungen der Magrietjies und war beeindruckt, dass die Menschen dies alles ehrenamtlich tun. Er kam nun zu der Idee, sich zu revanchieren, indem er seinerseits etwas tut: Die Idee zu der Spendenaktion „RIDE FOR THE MARIETJIES“ war geboren, eine Motorradtour durch Südafrika und Botswana um Spenden zu sammeln. Es wurde Verschiedenes unternommen, um die Aktion bekannt zu machen, so organisierten Lodie und seine Freunde zum Beispiel eine Wohltätigkeitsveranstaltung in dem Gemeindezentrum, bei der der Zuspruch schon sehr groß war. Die Tour endete nun vor zwei Wochen und an diesem Vormittag ist nun die Scheck- Übergabe an die Verantwortlichen der Magrietjies. Wir treffen auf eine Gruppe Menschen in einer netten Atmosphäre, mit Kaffee und Kuchen und werden sogleich aufgenommen: „Oh, von Deutschland kommt Ihr, wie schön. Wie ist das Wetter zur Zeit dort?“ Nette, sympathische Leute, wie Du und ich. Der offizielle Teil lüftet das Geheimnis: Es ist eine Summe an Spenden von insgesamt 50.235,53 ZAR (südafrikanische Rand) zusammengekommen. Eine stolze Summe, mit der niemand im Vorfeld gerechnet hätte. Wir freuen uns, dass wir den Moment der Übergabe beiwohnen dürfen und wieder einmal sehen können, dass man aktiv etwas tun kann, egal wo man auf dieser Welt man lebt.

 

Die nächsten Tage vergehen im Fluge: Lodie´s Freund Willi möchte uns am nächsten Früh um acht Uhr abholen zu einer Überraschung. Wir sind gespannt. Ina, Willi, Nicole und ich fahren etwas raus aus der Stadt in die Natur und finden uns wieder auf einem exklusiven Golfresort. Hier sollte auf einem Riesenareal eine Ortschaft für sich entstehen, mit exklusiven Wohnhäusern und Golfrasen in lauf nähe. Die Finanzkrise 2008 ist hier jedoch auch nicht spurlos vorbei gegangen und so wurden aus großen Träumen geplatzte Träume. Immerhin ist jedoch der Golfplatz wohl auf internationalem Niveau, ein Restaurant und eine Seilbahn (jetzt kommt die Überraschung) aktiv. Willi zeigt uns die Gegend von Oben. Schon witzig, mitten in Afrika eine Doppelmeyer- Gondel aus Österreich modernster Bauart zu finden. Nach einigen sehr schönen Tagen bei Lodie kommt unweigerlich der Abschied, es wird nun Zeit, weiter zu ziehen. Über eine landschaftlich sehr schöne Nebenstraße erreichen wir die Grenze mit einer Zwischenübernachtung und benötigen für die absolut unproblematischen Grenzformalitäten gerade mal eine Stunde. Wir sind überrascht, denn von unserer Ost-Route waren wir manchmal anderes gewohnt. Nur die Veterinärkontrolle hat noch eine Kleinigkeit zu beanstanden: Nach einem Blick in unsere Kühlbox dürfen die Salatgurke, die Paprika und die Mango leider nicht mit nach Botswana. Eine weitere Paprika jedoch durfte einreisen. Verstehe das wer will. Direkt nach dem Zoll ist erst mal Diesel für den Nissan angesagt. Da wir wissen, dass der Diesel hier etwas günstiger ist als in Südafrika (Botswana ca. 0,85 EUR/l, Südafrika ca. 1,00 EUR/l), haben wir jetzt zu tanken. Aufgrund unserer guten tracks4africa- Karte wissen wir, dass direkt nach der Grenze eine Tankstelle ist. Weiter auf sehr guten Teerstraßen in die nächste Stadt namens Palapye, auf den Weg dorthin links und rechts Dörfer mit traditionellen Rundhütten, Kühe, Ziegen, Esel an den Straßenrändern. Nachdem wir uns mit frischen Lebensmitteln eingedeckt haben, sind wir fein: Autark mit ca. 80 l Trinkwasser in 20l- Kanistern, die wir noch von Charlie haben und den erstandenen Lebensmittel fahren wir in das Khama-Rhino-Sanctuary, ein Schutzgebiet, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die vom Aussterben bedrohten Breitmaulnashörner zu schützen und den Bestand aufzubauen. So gibt es in dem Schutzgebiet nun 39 dieser Tiere, von vormals 5 Stück! Wir verleben zwei interessante Tage mit Wildbeobachtungen („gamedrive“) und autarkem Camp-leben, backen Brötchen auf dem offenem Feuer und kochen in Pötchjes auf dem Feuer. Unser erster Eindruck von Botswana: Ein freundliches unkompliziertes Reiseland, mit Menschen, die sowohl dem organisierten als auch dem Individualtourismus offen gegenüber stehen. Wir sind gespannt, wie es weiter geht…

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