Mt. Isa bis Tennant Creek: 790 km – macht 5916 km

Wir verbringen vier sehr schöne Tage in Mt. Isa bei „Be“, unserer Gastgeberin Belinda. Wir genießen es, wieder einmal in einem echten Bett zu schlafen, mit Belinda´s Hund „Flick“ zu spielen und am Abend schöne Gespräche zu Dritt zu führen und dabei etwas mehr über Land und Leute zu erfahren. Dann kommt der Tag des Abschieds und wir ziehen weiter in dem Wissen, hier eine Freundin gewonnen zu haben. Danke „Be“.
Bis Tennant Creek haben wir sechs Fahrtage eingeplant, wobei wir im Wechsel eine Übernachtung als „Bushcamp“, sozusagen „mitten in der Pampa“ machen und die nächste in einem Ort oder an einem Roadhaus. Wieder einmal steht und fällt alles mit der Planung, denn auch hier ist die zentrale Frage: „Wo gibt es Wasser?“ oder „Müssen wir Wasser für ein oder für zwei Tage transportieren?“ So radeln wir gut vorbereitet den „Barkley-Highway“ entlang und sind wieder begeistert von der Natur und von den einsamen Strecken. Unterwegs sehen wir Schwärme von Wellensittichen, schöne Papageien und einige andere Vogelarten, die wir nicht kennen. Am vierten Tag kommen wir zu dem Roadhouse „Barkley Homestead“. Ein Idyll, denn hier hat es einen Campsite mit Grasflächen, einen kleinen Shop und eine Gaststätte. Bei der Gelegenheit gehen wir am Abend essen und da das „Northern Territory“ das Land der Rinderzucht und der „Drover“ (Cowboys) ist, schmeckt das Steak besonders lecker. Am nächsten Morgen in aller Früh hören wir in unmittelbarer Nähe einen Hubschrauber starten, die hier übliche Methode um den Rinderbestand zu steuern und zu lenken, denn die Flächen der einzelnen Farmen sind hier so groß wie in Deutschland so manches Bundesland. Ansonsten merken wir den Unterschied zu den dichter besiedelten Gebieten auch an den Preisen. Logischerweise ist hier alles teurer, da die Güter über lange Strecken transportiert werden.

Manchmal haben wir Mobiltelefonnetz und so wissen wir, dass unser Schweizer Freund Markus, der den „Savannah Way“ gefahren war, ziemlich zeitgleich mit uns in Tennant Creek eintreffen wird. Und so ist es dann auch. Wir treffen uns 25 km vor Tennant Creek an einem Roadhouse und freuen uns riesig, dass wir uns wieder sehen. Wir radeln zusammen das letzte Stück bis Tennant Creek.

Der Plan von Nicole und mir ist es, von hier aus mit einem Mietwagen nach Alice Springs zu fahren und das „red center“ (das rote Zentrum) per Mietwagen zu erkunden. Per Internet haben wir im Voraus einen Wagen gebucht und gehen am Samstag extra nochmals zur Vermietung um abzuklären, ob auch alles nach Plan läuft. Die Dame ist zwar überrascht, dass der Wagen so günstig ist, denn normal wäre er viel teurer, aber es sollte alles funktionieren, so Ihre Meinung. Also kaufen wir noch Lebensmittel ein und freuen uns darauf, am nächsten Tag die 500 km nach Alice Springs zu fahren. Zwischenzeitlich sind auf dem Campingplatz noch zwei belgische Radfahrer eingetroffen, die sich mit Markus verabreden, die Strecke nach Alice im Dreierteam zu meistern. Eine gute Idee, zumal es zu der Zeit starken Gegenwind hat.

Am Sonntag verabschieden wir die Drei (wir sind schon ein bisschen traurig, dass wir nun nicht „kurbeln“), gehen zur Autovermietung und bekommen dort Folgendes erklärt: Der Wagen kostet nun doch plötzlich deutlich mehr und die freien Kilometer sind auf 100 km je Tag begrenzt, was bei den Entfernungen hier ein Witz ist. Wir merken schnell, dass bei dem Angebot wohl ein Fehler vorlag und die Dame uns nun elegant loswerden möchte. Nach einigen Diskussionen, Anrufen, Kalkulationen fühlen wir uns hier schlussendlich nicht mehr wohl und möchten bei dieser Agentur kein Auto mehr mieten. Eine andere gibt es hier allerdings nicht. Was nun? „Dann fahren wir halt per Anhalter („Lift“) nach Alice und nehmen dort ein Auto.“ So machen wir es schließlich auch, allerdings fahren wir erst am nächsten Tag, da Nicole zufälligerweise den Campingplatzbetreiber David anspricht, der in Alice Springs lebt und auch dort einen Campingplatz betreibt. Er ist mit einem Pickup hier und so nehmen wir die Räder mit. Es ist eine kurzweilige Fahrt, denn mit David finden wir über die ganze Strecke interessante Gesprächsthemen. Unterwegs überholen wir noch Markus und die zwei Belgier, die nun schon den zweiten Tag auf der Strecke radeln. Als wir am Abend in Alice Springs unser Zelt aufschlagen und zu Bett gehen, fühlen wir uns „wie im falschen Film“: Die letzten Monate haben wir uns mit einem Tempo um die 20 km per Stunde fortbewegt und heute haben wir in fünf Stunden fünfhundert Kilometer Distanz zurückgelegt. Es fühlt sich nicht gut an. Am nächsten Morgen nehmen wir uns nochmals die Landkarte vom „red center“ vor und überlegen, ob wir die Runde nicht doch lieber mit dem Rad machen. Wie bereits bei vorherigen Überlegungen zeigt sich, dass wir ca. vier Wochen im Zentrum wären, was nicht in unserem Plan ist. So mieten wir schließlich einen kleinen Wagen und machen uns am nächsten Tag auf den Weg zum Uluru, dem Wahrzeichen Australiens und erreichen ihn gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Es ist eine besondere Stätte der Ureinwohner und obwohl es zu heutigen Tagen ein Tourismushighlight ist, hat der Uluru eine besondere Ausstrahlung. Wir nehmen uns am nächsten Tag noch Zeit für eine Wanderung um den Berg und besuchen das informative Besucherzentrum. Den nächsten Tag verbringen wir an den „Kata Tjutas“, einer weiteren imposanten Felsformation, wandern auch dort und haben beide ziemlich starke Muskelschmerzen in den Beinen. Liegt das an den geradelten Kilometern? Liegt es an den für die Beine nun ungewohnten langen Laufwegen? Wir wissen es nicht, sind jedoch froh, als am dritten Tag Besserung eintritt. Wir erkunden noch den „Kings Canyon“, Australiens größten Canyon und machen eine Wanderung die oberhalb des Canyons an der Abbruchkante entlangführt und traumhaft schöne Ausblicke freigibt. Zu guter Letzt fahren wir noch einen Tag in die „MacDonnell Ranges“ (Gebirgszug), nahe Alice Springs und verbringen dort noch eine Nacht, bevor wir den Wagen wieder abgeben. Mehr als 1700 km haben wir auf unserer sechstägigen Mietwagentour rund um Alice Springs zurückgelegt und sind froh, dass wir das „red center“ auf unserer Reise nicht ausgelassen haben.

Mittlerweile ist auch Markus in Alice Springs eingetroffen und wir verbringen noch einen netten Abend zusammen, bevor sich unsere Wege ein letztes Mal auf diesem Kontinent trennen. Das nächste Mal werden wir uns in Europa sehen, das haben wir beschlossen.
In Alice Springs gibt es sehr viel Interessantes zusehen. Wir besuchen den Dessert Park, in dem wir über die Aborigines und über die Fauna und Flora des roten Zentrums viel erfahren und ein Luftfahrtmuseum hat es auch, was ich (Uwe) mir natürlich gerne anschaue. Wir versuchen in den nächsten Tagen wieder einen „Lift“, diesmal in die andere Richtung, zu bekommen und merken schließlich, dass der schnellste Weg sein wird, wenn wir mit dem Greyhound-Bus nach Tennant Creek fahren. Gesagt, getan. Gestern Abend sind wir mit dem Bus in Alice Springs los und mitten in der Nacht, gegen zwei Uhr, in Tennant Creek angekommen. Schnell noch Zelt aufgebaut und zufrieden und müde in die Schlafsäcke gekrochen.

Es war ungewöhnlich kalt in Alice Springs und wir freuen uns schon darauf, nördlicher in die tropischen Zonen zu kommen. Hier in Tennant Creek ist es heute auch sehr kühl und sehr windig aus Südost. Wenn wir morgen noch den gleichen Wind haben, haben wir leichtes Spiel. Unsere nächsten Etappen führt uns nach Kathrine, ca. 600 km weiter nördlich. Danach geht´s weiter nach Darwin, jedoch mit einem östlichen Abstecher durch den Kakadu-Nationalpark.

 

 

 

 

4 Gedanken zu „Mt. Isa bis Tennant Creek: 790 km – macht 5916 km

  1. Hallo Ihr Beiden,
    täglich schaue ich, ob es etwas Neues von Euch gibt und freue mich tierisch, wenn ein neuer Bericht da ist. Vielen Dank, daß Ihr uns an Euren Abenteuern teilhaben lasst!
    Weiterhin viel Rückenwind und liebe Grüße vom Bodensee,
    Freia

  2. Hallo ihr Beiden, tolle Berichte und sehr schöne Fotos. Ach ich freue mich, dass es es euch so gut geht. Ich mache auch Reisepläne .Mein Fahrrad wird die Gitarre sein. Travel und busking…das was ich jetzt auch mache nur ein bischen weiter weg mit Hund.Hab mich erstmal wohnungstechnisch verkleinert und mein Bulli bekommt noch ein anderes Getriebe. Dann kanns bald losgehen. Ja meine Reiselust wächst jeden Tag und Berichte wie eure machen Mut . Vielen Dank dafür.Ich wünsch euch weiter von Herzen gute Fahrt, schöne Erlebnisse, denn sie sind der einzige Schatz, den es lohnt anzuhäufen. Always good winds Marion und Ema

  3. Love to read of your travels.Because you speak English,and because you talk with the locals,you seem to be able to adapt your plans to arrive at the places you really want to see.The secret of good travelling!
    I am so glad you didn’t spend time riding all the way to ‚The Centre‘,but you still managed to get there and enjoy those wonderful rock formations.
    I cannot do any exercise at the moment,as I damaged some ribs in my chest and back,but I really enjoy reading about your trip.

  4. Hallo, ihr zwei

    habe mir gerade wieder Zeit für eure Berichte und die tollen Fotos genommen. Schön, dass wir somit einwenig teilnehmen können und mal einen Moment in eine andere Welt eintauchen können. Wunderbar.

    Weiterhin alles Gute und eine schöne Zeit wünscht euch von ganzen Herzen

    Petra und Family

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