Broome bis Coral Bay: 1.879 km – macht 10.917 km

Nach einer schönen Pause in Broome ist es an der Zeit weiter zu ziehen. Doch als wir aus der Stadt radeln geschieht etwas inzwischen sehr ungewohntes: Es regnet. Für uns nahezu befremdlich, denn die letzten Regenetappen liegen schon so lange zurück, dass wir erst unsere Regenausrüstung aus den Tiefen der Satteltaschen nach oben befördern müssen. Das „Roebuck Plains Roadhouse“, ca. 35 km vor Broome soll aufgrund des Wetters unser Anlaufpunkt für die Nacht sein. Hier waren wir schon auf dem Hinweg. Wir wissen, dass der angeschlossene Campingplatz keine Campküche hat und als wir fragen, ob wir ausnahmsweise unter einem Dach in der Nähe der Duschräume unser Abendessen zubereiten dürfen damit wir irgendwo im Trockenen sitzen können, sind wir ob der Antwort sehr verblüfft. „Nein, das geht nicht. Ich denke unser Caravanpark ist nicht der richtige Platz für Euch.“ Ups! Mir fällt erst mal gar nix ein, Nicole drückt zumindest noch aus, was wir fühlen: „Es tut mir sehr leid, dass wir bei unserem ersten Besuch knapp 100 Dollar hier gelassen haben, für Campingplatz und Dinner im Restaurant.“ So verlassen wir das Etablissement und suchen uns ein Buschcamp, der Regen hört auch wieder auf.

Die nächsten Tage bestehen aus radeln, radeln, radeln. Wir haben einige schöne Buschcamps an schönen Flussläufen, grandiose Sonnenuntergänge, Lagerfeuer und Sternenhimmel. Highlights bestehen aus dem Erreichen von Roadhäusern, hier gönnen wir uns dann „Burger with a lot“, oder andere Leckereien und freuen uns über eine Dusche.

Der Landstrich durch den wir uns bewegen nennt sich „Pilbara“ und hat durchaus seine landschaftlichen Reize. In diesem Teil Westaustraliens liegen jedoch auch riesige Vorkommen an Bodenschätze, wie zum Beispiel Eisenerz. Das zeigt sich besonders beim Erreichen der Stadt Port Hedland, hier beschäftigt sich alles mit dem Bergen und Verschiffen von Rohstoffen. Die Güterzüge die das Erz aus den Mienen in die Stadt transportieren sind bis zu fünf Kilometer lang, die Roadtrains, die Erze transportieren haben nun vier anstelle von drei Anhängern und in dem Visitorcenter sind die Zeiten der einlaufenden und auslaufenden Ozeanriesen angeschlagen. Der Rohstoffhunger der globalen Welt wird hier gestillt. Und in Gesprächen erfahren wir, dass Arbeitercamps für Minenarbeiter mit einer Größe bis zu 10.000 Personen weiter im Landesinneren nicht ungewöhnlich sind. Die Minenangestellten verdienen gut und dementsprechend sind hier auch die Preisgefüge höher angesiedelt.

Nach all dem Trubel und Geschäftigkeit, die einem Bienenstock gleicht, sind wir froh, wieder unsere ruhigen Spuren auf den Asphalt legen zu können. Wir haben Glück mit dem Wind, wir bewegen uns südwestlich und der Wind kommt meist aus Ost, so dass wir an vielen Tagen eine kleine Rückenwindkomponente spüren. Zwischendurch haben wir unser 10.000 km-Jubiläum. Ein schöner und emotionaler Moment – angestoßen wird später.

Schließlich kommt unsere finale Etappe: Wir sind am Roadhouese Nanutarra und kalkulieren noch drei Tagesetappen bis Exmouth, denn es sind noch immerhin 280 km bis dorthin. Die heutige Etappe soll an einer „Freecamprestarea“ enden, ein Parkplatz neben der N1, auf dem man übernachten kann. Wir starten morgens um neun, es läuft gut und nach 75 km erreichen wir schon gegen frühen Nachmittag den Platz. Es sind schon viele Auto´s mit Caravan da, ein Dach, welches uns bei Regen schützen würde hat es nicht, wir sind noch gut drauf und beschließen schließlich: „Komm, wir machen noch mal ein Stück“. Gesagt, getan und wir machen uns auf den Weg um noch ca. fünfzig Kilometer bis zum nächsten Parkplatz zu radeln. Als wir den Platz sehen ist kein anderes Auto da und wir beschließen uns ein Buschcamp zu suchen. So beim Radeln scherzt Nicole „Naja, eigentlich könnten wir auch durchfahren. Morgen soll es regnen und wenn wir durchradeln wären wir morgen früh in Exmouth“.Wir albern ein bisschen mit dem Thema herum und schließlich sage ich: „Also eins ist klar, wenn wir das machen, dann gibt´s kein zurück. Dann machen wir erst Feierabend, wenn wir in Exmouth sind“. Ein Selbstläufer ist geboren. Für uns Beide ist es nun ein Kick, dieses Ziel zu erreichen und wir beschließen es zu versuchen. Kurz vor Sonnenuntergang, wir haben schon ca. 120 km geradelt, machen wir eine große Pause mit Nudeln und allem frischen Gemüse das wir noch haben. Dann geht´s los, 160 km liegen vor uns und es wird eine richtig schöne Erfahrung, im wahrsten Sinne des Wortes. Nicole ist eine Nachteule und hat mit Müdigkeit weniger Probleme als ich. Zweimal habe ich gut zu tun, die Balance zu halten, vor Müdigkeit. Bei km 200 soll es noch eine Nudella-Pause geben, schlussendlich machen wir dann eine „Müsli-Pause“, denn wir könnten essen, essen, essen. Gegen acht Uhr erreichen wir Exmouth, während der Nacht hatten wir so gut wie keinen Verkehr und zwei schöne Begegnungen mit Kängurus. Seither wissen wir, dass Kängurus auch rückwärts hüpfen können.

Exmouth ist unser Ausgangspunkt zum „Cape Range Nationalpark“. Wir möchten ans Ningaloo Reef um dort die Unterwasserwelt mit der Schnorchelausrüstung zu erkunden. Vorher machen wir noch eine Bootstour zur Walbeobachtung, allerdings sind wir beide nicht seefest und sind froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.

Die Zeit im Nationalpark vergeht wie im Fluge, wir beobachten Delfine vom Strand aus, wir schnorcheln und haben eine für uns sehr beeindruckende Begegnung mit einer Meeresschildkröte. Ganz relaxt schwimmt Sie zwischen den Korallen und wir dürfen Sie beim Schwimmen beobachten. Nach zwei weiteren Fahrtagen kommen wir nach Coral Bay, ein Ort bestehend aus zwei Campingplätzen und ein bisschen Infrastruktur wie Supermarkt und Restaurant. Hier schlafen wir die erste Nacht auf einem „Overflow-Campsite“, denn die Campingplätze sind ausgebucht, am nächsten Tag wird jedoch was frei und wir ziehen um. Nun sind wir hier, schnorcheln und genießen den Strand.

Und nun?
Eigentlich ist es an der Zeit weiter zu ziehen. Freunde von uns haben uns in einer Email gefragt „Wie geht es Euch, habt Ihr Abfälle? – Nein keine Abfälle für die Mülltonne, gemeint sind Motivations- Leistungs- und sonstige Abfälle.“
Passend zu dieser Frage können wir sagen, dass wir hier eigentlich drei Nächte bleiben wollten und nun schon das zweite Mal für je einen Tag verlängern. Das Wetter ist regnerisch, im Süden ist es noch Winter, ein weiterer längerer Stopp ist für uns als Motivationshilfe noch nicht definiert, und wahrscheinlich ist es ein Trugschluss zu denken, dass es innerhalb eines Jahres Fahrradreise keine Motivationsschwankungen gibt. Platt ausgedrückt würde der ein oder andere sagen: “Die Luft ist raus“ oder „Jetzt ist ein Hänger da“. So krass möchten wir´s nicht sagen, denn wir haben unseren Focus fest auf unsere zwei Ziele gerichtet: Sydney erreichen und einen großen Teil zur Finanzierung des Wassertanks beizutragen. Und die Freude am Radeln wird uns bestimmt bald wieder einholen. Worüber wir uns aber auf jeden Fall freuen sind die vielen Spendeneingänge der letzten Tage. Da bleibt uns nur zu sagen: Vielen Dank und weiter so!

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Broome bis Coral Bay: 1.879 km – macht 10.917 km

  1. Liebe Nicole und lieber Uwe,
    wieder ein toller neuer Bericht! Euer Erlebnis im Roebuck Plains Roadhouse macht auch mich sprachlos – aber auch so etwas gehört wohl zu einem ansonsten gastfreundlichen Land dazu. Und nun tankt doch einfach so lange Energie, bis Ihr wieder richtig Lust darauf habt, weiterzufahren. Ihr habt schon soviel Ziele erreicht und „Biss“ gehabt, da müßt Ihr bei ein paar Tagen Pause kein schlechtes Gewissen haben. Und dann gehts wieder weiter – chakka! – Ihr werdet Sydney erreichen!
    Viele liebe Grüße vom hochsommerlichen Bodensee,
    Freia

  2. Ganz liebe Grüsse
    Es ist ein Traum Eure Bilder zu sehen und wie schön Eure Reise ist.
    So viele schöne Ereignisse und Eindrücke das nimmt Euch niemand mehr so eine wertvoll Zeit. Ich freu mich sehr darüber.
    Weiterhin gute Reise. Take care!!!
    Tina

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