Bunbury bis Esperance: 1.218 km – macht 13.713 km

8.400 Höhenmeter, Regen, Kälte und Gegenwind waren das, was die vergangenen 1.218 Kilometer seit Bunbury im Süd-Westen Australiens geprägt haben. Das Wetter ist untypisch für diese Jahreszeit. Eigentlich sollte es wärmer und beständiger sein. Doch es ist wie es ist.

So ist es auch mit den Delfinen in Bunbury. Wo sich keine zeigen, zeigen sich eben keine. Als wir im Januar 2012 auf unserer dreiwöchigen Mietwagenrundfahrt hier stoppten, tummelten sich so viele Delfine in der Bucht, ja sogar direkt am Strand, dass unser zeitlich bedingt nur kurzer Stopp gar nicht ausreichte, um genug davon zu bekommen. Umso größer war nun die Vorfreude, je weiter wir uns Bunbury näherten. Doch so sehr ich auch all die Stellen von 2012 abradelte, bis auf ein paar kurz aufblitzende Rückenflossen war diesmal Nichts zu sehen. Schade. Doch so ist das eben manchmal mit Erwartungen. Dem entgegen ereignen sich dann wiederum Dinge, deren Zustandekommen uns immer wieder in großes Erstaunen versetzen. Als wir in der Hoffnung auf eine Delfinsichtung unseren letzten Abend mit einer leckeren take-away-Pizza leicht fröstelnd in schön angelegten Liegestühlen mit Blick auf die Bucht von Bunbury verbringen, geht ein Paar an uns vorbei. Sie grüßen freundlich, fragen wie die Pizza schmeckt, bleiben nach einigen Metern zögernd stehen und blicken sich unschlüssig zu uns um. Ob wir in Coral Bay waren. Ja, waren wir. Ob Uwe Uwe heißt. Ja, heißt er. Und dann es da, das Wiedererkennen. Lucy, Terry und Uwe waren sich in Coral Bay begegnet, als sie zufällig gemeinsam am Wohnwagen der auf dem Caravanplatz campierenden Friseurin auf ihren Haarschnitt warteten und dabei ins Gespräch kamen. Es war schon dort eine nette Begegnung und umso größer ist die Freude und das Erstaunen über das zufällige Wiedertreffen. Wir plaudern ein wenig über dies und das und dann auch über unsere weitere Strecke. Noch mehr staunen wir dann, als uns die Beiden die Schlüssel zu ihrem Ferienhaus aushändigen, das zufällig in etwa zehn Tagen direkt auf unserer weiteren Route liegt. Das haben die Delfine wirklich geschickt eingefädelt.

Doch bis zu dem komfortablen, warmen Bett ist es noch ein gutes Stück Weg. Wir entschließen uns, die südwestlichste Ecke Australiens komplett auszufahren, da wir hier zum einen 2012 einiges abgekürzt hatten und zum anderen einige der verheißungsvollen „besten“ Aussichtspunkte zum Whalewhatching nicht verpassen wollen. Doch leider verhält es sich mit den Walen so, wie mit den Delfinen. Eher schlechter – es gibt nicht einmal Rückenflossen. Allerdings ist das Meer auch so rauh, dass, selbst wenn sich Wale dort tümmeln sollten, es schwer bleibt, sie zu sichten. Zumal wir ohne Fernglas auskommen müssen. Der Plan mit den Aussichtspunkten geht also ebenso wenig auf wie der Plan, den australischen Winter zu umradeln. Es ist kalt, es regnet und der Wind kommt nicht nur aus der falschen Richtung, sondern ist auch ziemlich kräftig. Selbst das Meerwasseraquarium am Ende des zwei Kilometer langen Jetty in Busselton ist wegen schlechter Sicht geschlossen. Schade. Auch darauf hatten wir uns gefreut.

Statt dessen gibt es die ein oder andere Cabin auf dem Campsite, das sind kleine einzeln stehende Hüttchen, zumeist mit eigener Mini-Küche und eigenem Bad und eine hervorragende Alternative bei April-Wetter im September. Es macht einfach keinen Spaß bei sechs Grad am Abend vor dem Zelt zu frieren und morgens alles pitschenass einzupacken. Dafür gibt es grandiose Landschaften mit einigen Höhenmetern. Wir radeln durch schöne Wälder, erfreuen uns an riesigen wild wachsenden Feldern weißer Callas, passieren zahlreiche Weinfelder, begegnen Kängurus – diesmal sogar boxenden – genauso wie den inzwischen sehr lieb gewonnen Papageien, haben immer wieder tolle Ausblicke auf die Küste und am Abend das ein oder andere Lagerfeuer gegen die Kälte.

Auf unserer Tour ist uns von verschiedenen Radlern immer wieder der Munda-Biddi-Trail ans Herz gelegt worden. Ein extra für Mountainbiker angelegter über 1000 Kilometer langer Track, der von Perth bis Albany führt. Wir wollen in Pemberton einsteigen und die etwa 300 km bis nach Albany abseits der Straßen zurücklegen. So der Plan. Der Weg ist wirklich schön, allerdings handelt es sich tatsächlich um einen Trail – im wahrsten Sinne des Wortes. Das heißt es geht auf schmalen Pfädchen über Stock und Stein mitten durchs Buschland. Das hatte zumindest ich nicht wirklich so erwartet. Wir brauchen für die gerade mal 48 Kilometer bis Northcliff über 4 Stunden reine Fahrzeit und haben dazu 700 Höhenmeter auf dem Tacho. Und ich bin geschafft. Mit den über 50 kg Rad- und Gepäckgewicht hält sich der Spaßfaktor für mich sehr in Grenzen. So belassen wir es bei dieser einen Etappe und kehren am nächsten Tag wieder auf die Straße zurück, die sich leider als Piste entpuppt. Aber wenigstens als eine Gute.

Und dann erreichen wir „unser“ Ferienhäuschen. Idyllisch gelegen und ein ganzer Tag zum Nichts tun. Abends heizt Uwe dann den Holzofen ein und bringt den DVD-Player ins Laufen und wir trainieren mit „Finding Nemo“ unser Englisch. Darüber hinaus erinnert uns der nette Trick-Film an unsere Schnorchelerlebnisse der vergangenen Monate. Gegen Mittag des folgenden Tages treffen Lucy und Terry ein, die uns die nähere Umgebung per Auto zeigen. Zum „tea“, wie die Australier auch zum Abendessen sagen, kommen noch ein befreundetes Ehepaar sowie die Nachbarin hinzu und wir verbringen einen geselligen Abend mit ein wenig Dorftratsch und einigen Anekdoten über Känguruunfälle und Haiangriffe, die glücklicherweise überlebt werden. Daneben erhalten wir von allen zusammen sage und schreibe 250 $ an Spenden für den Wassertank in Kenia, über die wir uns ebenso sehr freuen wie über die herzliche Gastfreundschaft.

*** An dieser Stelle unterbrechen wir den Bericht für eine kurze Werbepause in Sachen Wassertank. Mehr Informationen hierzu finden Sie unter dem obigen Menüpunkt >> mach mit! <<. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und nun zurück zum Bericht. ***

Die herzliche Gastfreundschaft setzt sich nur zwei Tagesetappen weiter bei Pat und Harvey in Albany fort. Wir waren uns nach der Gibb-River-Road in Derby auf dem Jetty begegnet und nun, ziemlich genau drei Monate später, stehen wir vor ihrer Tür. Die beiden hatten damals etwas von ocean view gesagt, doch das, was wir nach der herzlichen Begrüßung aus ihrem Wohnzimmerfenster erblicken, wäre ein guter Grund zum sofortigen Einzug. Die ganze King-George-Sound-Bucht liegt uns zu Füßen – springende Wale inklusive. Statt der angedachten zwei Tage bleiben wir drei und genießen neben netten Gesprächen und der guten Küche von Pat auch einige Ausflüge in und um Albany. Welch schöne Abwechslung, die hügelige Gegend nicht nur nicht mit dem Rad erklimmen zu müssen, sondern auch noch so viel Interessantes zu erfahren. Herzlichen Dank – Pat und Harvey – es war schön mit und bei Euch! Die beiden radeln noch gut 20 Kilometer gemeinsam mit uns aus der Stadt hinaus in Richtung Stirling Range, bevor wir uns dann verabschieden. Die Landschaft bietet wunderschöne Ausblicke auf die Bergkette und auch das Wetter ist uns wohlgesonnen. Aber es heißt heute aufgepasst, denn die schmale Landstraße gehört gerade den Trucks, die die Getreideernte zum Hafen bringen. Doch, so hat Harvey – der das Getreideschiff schon in der Bucht hat vor Anker liegen sehen – für uns ausgekundschaftet, fahren sie nur heute, dann ist Wochenende.

Und zwar ein langes. So finden wir heraus, nachdem wir am Montagmorgen vergebens darauf warten, dass der Supermarkt in Jerramungup seine Türen öffnet. Queens Birthday. Das haben wir vor ein paar Wochen schon mal gehört. Komisch. Gut nur, dass unsere Packtaschen noch genügend Lebensmittel beinhalten.

Die letzten Wochen seit Perth haben mit ihren Höhenmetern und Schlechtwetterkapriolen ihre Spuren hinterlassen. Wir sind müde. Die inzwischen schon über 13.500 Kilometer stecken uns nicht nur in den Beinen. Doch dann schnattern am Wegesrand ein paar Papageien, als wollten sie einen ermuntern, es findet sich eine geschlossene Camp-Küche mit einer Feuerstelle zum Einheizen, wir schlafen gut, haben einen einfachen Fahrtag mit kräftigem Rückenwind und die Sonne kommt auch wieder zum Vorschein – und schon sieht die Welt wieder ganz anders aus.

Doch nach all den Annehmlichkeiten der Zivilisation werden wir mit einem Busch- und einem Free-Camp samt extrem schlecht schmeckendem Trinkwasser fast wie von selbst auf das vorbereitet, was nach Esperance auf uns wartet: die sagenumwobene Nullarbor, die – so viel wissen wir inzwischen schon – nur etwa für 40 Kilometer tatsächlich keinerlei Bäume aufweist. Vor uns liegen 1.300 Kilometer und ein paar Roadhäuser. Der Reiseführer wartet mit einer ganz besonderen Information auf. Der erste Radfahrer hat die Nullarbor im Jahr 1886 durchquert. Er benötigte dafür 31 Tage. Das erste Auto folgte dann 1912, wobei in den nächsten 12 Jahren nur drei weitere Fahrzeuge die Strecke schafften. Heute sei der Verkehr mäßig. Was genau das bedeutet, werden wir bald in Erfahrung bringen. Doch zuvor genießen wir noch einmal das Stadtleben im netten Esperance, eine wohltuende Massage, Cappuccino, Pizza, gutes Trinkwasser und Dusche inklusive.

 

 

 

 

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