18.544 km Sydney to Sydney by pushbike – This journey is over…

18.544 km Von Sydney nach Sydney mit dem Fahrrad – Die(se) Reise ist zu Ende Untertitel: Huskisson-Sydney-Mernes, 232 km = 18.544 km ???????????????????????????????
Wir wachen auf und der Himmel ist wolkenverhangen. Das Zelt ist trocken, also packen wir gleich zusammen und frühstücken frischen Obstsalat und Toastis mit Marmelade in der Campküche. Gegen halb zehn geht’s los, wir verlassen Huskisson und radeln das erste Stück über Abkürzungen. Später nehmen wir den Highway, fahren zügig an Nowra vorbei und dann: Es fängt an zu regnen und zwar nicht wenig. Bei Shoalhaven Heads machen wir Pause und Kuchenpause an der Bäckerei. Passend zur Pause wird der Regen weniger, doch kaum fahren wir weiter, schüttet’s wieder. In den Schuhen steht das Wasser, der Verkehr ist nervig und es hat so gut wie keinen Seitenstreifen. In Gerrigong haben wir beide keine Lust mehr weiter zu fahren und möchten ein Zimmer. Leicht gesagt, schwer getan, denn die Ferien sind schon im Gange und hier ist absolutes Urlaubsgebiet. Das merken wir sowohl an den Preisen als auch an der Verfügbarkeit der Zimmer. Schließlich finden wir doch noch ein trockenes Plätzchen, direkt in der Stadt, heiße Dusche, thailändisches Restaurant in Laufnähe, Herz was willst Du mehr?
Am nächsten Früh sieht der Himmel schon vertrauenserweckender aus, es geht durch das absolut verkehrsreiche (richtig nervig) Wollongong und dann finden wir kleine Küstenwege und sogar Radwege. In Bulli machen wir Feierabend und stehen auf einem Campingplatz mit wahrlich sehr leisen Nachbarn: Der Friedhof grenzt direkt an den Campsite, na denn, uns stört es nicht. Beim abendlichen Einkauf stellen wir wieder einmal fest, dass die Reise bald zu Ende geht, dann wir brauchen nur ein paar Kleinigkeiten. Der nächste Morgen beginnt mit einem Omlette, das war so geplant, wir haben uns schon darauf gefreut, was nicht geplant war, ist der heftige Platzregen, der uns in die Campküche treibt. Doch schlussendlich haben wir Glück und können unsere vorletzte Etappe in Angriff nehmen. Doch vorher macht Nicole noch Ihr (sich selbst gegebenes) Versprechen wahr und schwimmt ein paar Runden im Rockpool.

Die Strecke ist famos: Ständig der Küste entlang, teilweise atemberaubende Straßen entlang der Steilküste und vor uns die Hügel (oder sind es Berge?) des Royal Nationalpark. Sieht stramm aus, doch so schlimm wird´s nicht und oben gibt es eine Verschnaufpause. Aufgrund der guten Thermik sind hier die Drachenflieger zugange, das lassen wir uns nicht entgehen und sehen Einigen beim Starten und Fliegen zu. Den Abend verbringen wir auf dem Nationalparkcamp, mit dem Wissen, dass dies unsere letzte Nacht im Zelt sein wird, zumindest auf dieser Reise. Schon seltsam irgendwie.

Als wir in Sydney am 12. Januar auf das Rad stiegen um Australien zu umrunden, sind wir die ersten 100 km für unseren verstorbenen Freund Lodie geradelt, heute am 25. Dezember ist unsere letzte Etappe und zugleich der erste Todestag unseres Freundes. Vielleicht soll das so sein.

Morgens beim Frühstück erhalten wir wieder einmal eine Barspende (freu-freu!) für den Wassertank, dann geht es los. Zuerst mit der Fähre, dann auf Radwegen durch die Stadt. Wir haben Glück, dass auch hier heute Feiertag ist, denn so radeln wir mit ganz wenig Verkehr durch die Stadt und stehen schließlich – genau:….. an der Oper!

Seltsam. So oft hatten wir uns diesem Moment im Geiste vorgestellt und nun stehen wir da. Wie lässt sich dieses Gefühl beschreiben? Ich kann es nicht beschreiben. Eigentlich ging ich davon aus, dass mir die Tränen kommen, ich eine besondere Herzensstimmung verspüre, ein imaginärer Film in meinem Kopf abläuft mit all den in den elfeinhalb Monaten aufgesogenen Bildern, dass wir uns weinend in den Armen liegen… Doch so ist es nicht. Ganz und gar nicht. Es fühlt sich einfach leer an. Nicht greifbar. So, als würden wir jetzt eine kurze Pause einlegen und dann weiter radeln. Nicole rollen dann doch ein paar Tränchen die Wangen herunter. Doch ich finde hierzu noch immer keine passenden Worte. So hart es sich auch anhört, es ist einfach ein stinknormaler Moment. Nur einmal,  ganz kurz erhascht mich ein besonderes Gefühl, nur einen Wimpernschlag lang. Das eigentliche Erkennen dieser Tour kommt erst viiiiiel später. Wir stehen eine ganze Weile schweigend da. Schließlich vermissen wir dann doch irgendwie jemanden, mit dem wir dieses nicht realisierbare Gefühl des offiziellen Tourendes teilen könnten. Eigentlich hatten zwei befreundete Paare uns Ihr Dasein zugesichert, doch aus verschiedenen – leider auch verständlichen Gründen – konnten Sie nicht kommen. Was nun. Da wir noch ein Foto machen lassen möchten, beobachten wir eine Weile die quilig dahintreibende Masse der Touristen, nach einem geeigneten Fotografen Ausschau haltend. „Der mit der grünen Kappe vielleicht?“, meint Nicole schließlich fragend. Wir versuchen unser Glück und fragen die zwei sympathisch daherkommende Touristen, ob Sie denn ein Foto von uns machen könnten. Und ja, das können Sie und „Ach, Ihr seid auch Deutsche?“. Und so finden wir mit Anne und Cajo schließlich zwei sehr nette Menschen, mit denen wir das seltsame Gefühl vom Ende unserer Australien-Umradlung teilen können. Ein Geschenk des Himmels! Danke, dass Ihr Zwei gerade „zufällig“ da ward. Eine weitere kleine Geschichte der Rubrik „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
Abschluss der Tour soll ein Hotel direkt am Hafen sein, dass wir schon vor ein paar Tagen gebucht hatten. Und so ziehen wir nach dem definitiv obligatorischen Prosecco zur Feier des Tages für eine Nacht in unser Hotelzimmer ein. Die Fahrräder dürfen auch mit rauf. Und auf der Dachterrasse wartet ein Whirlpool auf uns, mit Blick auf Oper und Harbour Bridge. Ja, wir haben schon schlechter übernachtet. Doch das wirkliche Highlight des Hotelbesuchs ist das Frühstücksbüfett am nächsten Morgen.

Sydney ist wie heimkommen, denn wir haben uns ja schon ein paar Tage hier rumgetrieben, bevor wir los sind. So finden wir uns auch gleich wieder zurecht, suchen die uns bekannten Outdoor-Geschäfte wieder heim und stellen fest: Wir brauchen nichts! Die Reise ist zu Ende und was es hier gibt, gibt es auch in Deutschland. Nicole ersteht noch ein 22 Gramm leichtes Reisebesteck. Für die nächste Tour? Müssen wir dann wieder auf das Gewicht der Ausrüstung achten? Viele Fragen. Antworten werden sich finden.

Gegen Nachmittag radeln wir zu unseren Gastgebern, Sean und Peter. Als wir an der Westküste unterwegs waren, trafen wir am Sandfire Roadhouse Sean aus Sydney (Dank Theo weiss ich, dass es der 12. Juli war). Sean war von unserer Tour begeistert und lud uns ein. Er wollte ein BBQ mit seinem Radclub für uns ausrichten, denn er selbst ist auch begeisterter Radfahrer. Damals dachten wir so für uns: „Ja, bis nach Sydney ist es noch sehr weit, wer weiß, was bis dann ist“. Doch zwei oder drei Wochen bevor wir Sydney erreichten erhielten wir eine Mail von Sean, in der er seine Einladung wiederholte und wir wussten: Ja, da ist sie wieder, die australische Gastfreundschaft und die so aufgeschlossenen Menschen.

So verbringen wir die letzten Tage als Gäste von Sean und Peter in Coogee, einem Stadtteil von Sydney, sogar mit Strand. Das BBQ ist der Hammer, an alles hat Sean gedacht, so haben wir durch Ihn nun doch noch eine Ende-der-Tour-Party mit netten Menschen und genießen einen schönen Abend. Neben dem großen Interesse an unserer Tour freuen wir uns auch über einen großen Spendenbetrag der versammelten Radbegeisterten. Vielen Dank Euch allen!

Die restlichen Tage bis zum Abflug verbringen wir mit verschiedenen Aktivitäten wie zum Beispiel dem Abschlussinterview mit Barbara vom Sender SBS, einem Bummeltag in Mandy, netten Gesprächen mit Sean und Peter und zu guter Letzt noch einmal mit einem entspannten Strandtag in Coogee. Dann unser finaler Tag, Sylvester. Ein Sylvester-Menü direkt am „Circular Quay“ hatten wir mal ins Auge gefasst, hatten es dann jedoch wieder verworfen. Wir möchten in den botanischen Garten. Gesagt getan, gegen neun Uhr früh fahren wir los, um uns einen guten Platz zu sichern zu können. Anstehen, weiter anstehen und noch länger anstehen und dann irgendwann, nach mehr als zwei Stunden Schlange stehen, sind wir schließlich am Einlass. Wir stellen fest, dass es viel zu voll ist und ziehen weiter, um etwas anderes suchen. So lässt sich kurz und bündig das Erlebte schildern, denn es war eher, naja: Die zweit beste Entscheidung. Schlussendlich finden wir noch einen guten Platz um das Feuerwerk zu sehen, dann geht es mit dem Bus zuück zu Sean und Peter um von dort aus mit den Rädern zum Airport zu radeln. Sean hat schon auf uns gewartet und wir trinken noch einen Abschiedslikör, sehen nochmal das Feuerwerk im TV und los geht´s. Die zehn km zum Flughafen sind schnell geradelt, Räder verpacken und dann sitzen wir schneller im Flieger als uns lieb ist.

Das war unsere Australien-Tour. Es war gut, es war schön und es hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Das Jahr 2015 wird uns sehr tief in Erinnerung bleiben, sei es die Natur, die Menschen oder die Erlebnisse beim Radfahren. Die ganzen Highlights jetzt aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, doch so viel ist sicher. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese Zeit in Australien erleben durften.

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „18.544 km Sydney to Sydney by pushbike – This journey is over…

  1. Hallo,
    ich habe jeden Reisebericht Ihrer unglaublich interessanten Radreise gelesen. Eine tolle Leistung! Ich habe früher schon den einen oder anderen Radurlaub gemacht, bin nun mit 62 Herr meiner Zeit und werde im Nov16 für ca. 5 Mon. mit Rad und Zelt Neuseeland kennen lernen. Danach könnte ich mir durchaus – angeregt durch Ihre Reise, den Süden und Osten Australiens vorstellen.
    Könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen, bei einer Einlading meinerseits z. B. zum Essen Ihre Erfahrungen mit mir zu teilen?
    Auch bin ich neugierig, was nun nach Afrika und Australien Ihre Pläne sind.
    Sie haben wirklich lesenswerte, informative und fesselnde Reiseberichte geschrieben. Danke dafür und gutes Einleben in der Heimat.
    Herzl. Grüße aus Stuttgart
    Paul Pütz

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